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Times Mager: In voller Höhe

Mal ganz ein simpler Vorschlag. Nämlich der, bei allen anstehenden Tarifverhandlungen einfach ohne weitere Verhandlungen die Forderungen der Arbeitnehmervertreterseite in voller Höhe zu erfüllen. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Nachdem die Milchmädchen-Idee, durch Senkung staatlicher Einnahmen staatliche Schulden abzubauen, immer mehr und immer entschiedenere Gegner findet, ist die Zeit reif für einfacher erscheinende Vorschläge. Vorschläge, die einfacher erscheinen, können in Wahrheit noch so kompliziert sein, sie sind allemal eher mehrheitsfähig als kompliziertere Vorschläge, die garantiert daneben gehen.

Ein ganz und gar simpler Vorschlag ist der, bei allen anstehenden Tarifverhandlungen einfach ohne weitere Verhandlungen oder auch gern nach mühsamen, zähen Verhandlungen - der Verhandlungsaufwand selbst ist für den beabsichtigten Effekt nicht so wichtig - die Forderungen der Arbeitnehmervertreterseite in voller Höhe zu erfüllen. Im öffentlichen Dienst sowieso, aber auch zum Beispiel bei Schlecker und in allen anderen Zeitarbeitsverhältnissen. Und welche Arbeitsverhältnisse wären zurzeit nicht Zeitarbeitsverhältnisse!

Das Ergebnis ist äußerst absehbar: Alle Leute, die Arbeit haben, haben plötzlich mehr Geld und freuen sich, es schnellstens ausgeben zu können. So kommt die beliebte Binnenkonjunktur nach Jahrzehnten ihres höhepunktlosen Dahinvegetierens wieder in Schwung, die Steuersenkungen für die Unternehmen tun das Ihrige dazu, so dass in kurzer Zeit alle kaufen beziehungsweise investieren oder Arbeit finden und darüber froh sind. In Nullkommanichts hätten wir einen neuen Flachbildschirmfernseher und sonst noch dies und das und dazu eine florierende Wirtschaft und eine glückliche Regierung.

Eine glückliche Regierung hätte die Chance, eine gute Regierung zu sein, die ihr Glück mit den Regierten teilt. Sie könnte beispielsweise für die Nichtabgabe der Einkommensteuererklärung einen aus den zu erwartenden Mehreinnahmen finanzierten Pauschalbetrag auszahlen lassen, der für die erste Rate des neuen Elektroautos reichen würde. Die Finanzbeamten müssten weniger Zeit mit ergebnisarmen Steuererklärungen verschwenden und könnten derweil ihr Mehreinkommen phantasievoll unter die Leute bringen und hier und da einem Steuerfahnder zur Hand gehen.

Jemand dagegen? Enthaltungen? Danke.

Datum:  14 | 1 | 2010
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