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Times Mager: Kleiner Tipp

Eine Ravensburger Firma bietet eine Alternative zum Passwort an: Mit einem Satz auf der Tastatur erkennt der Rechner, wer tippt. Entsprechend schaltet er den Zugang frei. Von Judith von Sternburg

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Der Kollege reicht eine Illustrierte rein, auf der ein fabelhaft gut aussehender Leistungssportler mit bloßem Oberkörper zu sehen ist. Darunter steht: "Das Superhirn der NBA". Das ist schon ganz lustig. Dem Times mager jedoch ist in der Hitze des diesjährigen Frühlingstages nach inneren Werten zumute.

Wie zum Beispiel lässt sich das Markante der Handschrift, einst Stolz und Fluch (individuell und unleserlich) zugleich, in die modernen Zeiten retten? Nun, folgendermaßen: Die Regensburger Firma Psylock bietet seit einiger Zeit eine Alternative zum Passwort an. Mit einem Satz auf der Tastatur erkennt der Rechner, wer tippt. Entsprechend schaltet er den Zugang frei.

Aber funktioniert das auch? Ausführliche Testreihen haben - selbstredend außerhalb der Bürozeiten - zu dem Ergebnis geführt, dass es jedenfalls nicht leicht ist, den Computer übers Ohr zu hauen. Man erreicht damit lediglich, dass der Rechner die registrierte Person nicht ranlässt. Weil sie beispielsweise besonders langsam schreibt oder im Rhythmus von "Alle meine Entchen". Es ist, als würde man das falsche Passwort eingeben. Der Satz, den die Ravensburger Firma zu Testzwecken tippen lässt, lautet: "Mein Tippverhalten: So individuell wie ich selbst!" Wer sich hier auf längeres Experimentieren einlässt, wird bemerken, dass das Tippen des Wortes "individuell" einen schier in den Wahnsinn treiben kann.

Das Prozedere dient nicht nur der Sicherheit, mehr vielleicht zumindest als ein so originelles Passwort wie der Vorname des Freundes (in einer bestimmten Generation dürfte wahrlich mancher Thomas oder Stefan darunter sein). Es ist auch gut für die Psyche. Erstens werden Tippfehler endlich zum persönlichen Markenzeichen. Zweitens schien es bisher ja immer, als würden nur die dreifingrigen Donnerschreiber Eigensinn beweisen. Fabelhaft starke Männer übrigens, allesamt.

Nun hingegen darf sich unsereiner, dank des in der dritten Generation benutzten Heftchens "Schreibmaschineschreiben zum Selbstlernen" auf ein maßvolles Zehnfingersystem eingestellt, darauf verlassen: Mag der Gang auch nicht widerhallen, wenn wir über die Tasten trippeln - unser Rechner weiß, wer wir sind.

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  8 | 4 | 2010
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