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Times Mager: Köhlers Fetisch

Zuletzt wurden auch Orden wieder eingeführt. Zum Zeichen der Tapferkeit werden sie verliehen, nachträglich angeheftet, vor allem wenn Männerwerk im Spiel war im Namen der guten Tat. Von Christian Thomas

 Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
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Zuletzt wurden auch Orden wieder eingeführt. Zum Zeichen der Tapferkeit werden sie verliehen, nachträglich angeheftet, vor allem wenn Männerwerk im Spiel war im Namen der guten Tat. Das unterscheidet den Orden vom Fetisch, bei dem es sich eher um ein Zaubermittel handelt, das prophylaktisch wirken soll. Anders als der Orden möge der Fetisch dadurch wirken, dass er praktisch im vorauseilenden Gehorsam an einen Aberglauben getragen wird. Wobei der Aberglaube eine Konfession ist, die sich ihren Gegner gar nicht groß genug vorstellen kann.

Soeben hat Bundespräsident Horst Köhler, Anlass waren die Feierlichkeiten zum 60. Geburtstag des DGB, die internationalen Finanzmärkte mit einem "Monster" verglichen, nicht zum ersten Mal hat er das getan, vielmehr sieht der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds ",das Monster noch nicht auf dem Wege der Zähmung".

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Bundespräsident mit seinen Gedanken vom Monster so etwas wie ein Querdenker ist, denn wie, wenn man es recht bedenkt, sollte man ein Monster praktisch zähmen? Im Interesse der eigenen Unversehrtheit, der körperlichen und geistigen Konstitution, ist es ratsam, an das definitive Ende eines Monsters nicht nur fest zu glauben. Noch ratsamer ist es, und sei es aus körperlichen und geistigen Gründen, auf das definitive Ende eines Monsters hinzuwirken.

Zweifellos ist Köhlers Auffassung vom Monster eine exklusive, möglicherweise eine nicht ganz so monströse, wie sie sich anhört oder anhören soll, wenn der Populismus mit Pathos zusammengeht, gewissermaßen Seit´ an Seit´. Wegen dieser Koalition machen wir uns um die weitere Karriere von Köhlers "Monster" keine Sorgen. Es wird weiter da sein, es wird dem Wirtschaftsleben, sobald es sich nur ein wenig zuspitzt, weiterhin unmittelbar angehören, als kollektives Schreckgespenst - nicht zuletzt als schier nicht zu fassender Sündenbock.

Pathos und Populismus werden von ihm nicht lassen, sie werden das Monster verehren wie einen Fetisch. Wegen seiner im Neoliberalismus therapeutischen Funktion sollte ihm der Bundespräsident einen Orden verleihen.

Autor:  Christian Thomas
Datum:  8 | 10 | 2009
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