Michael Jackson war eine, Rudolph Moshammer auch. Marilyn Manson schminkt sich, um eine zu sein, Dita von Teese zieht sich dafür aus. Die Stilmittel zur Erschaffung einer Kunstfigur sind vielfältig, die Motive, eine zu sein, auch. Manchen verheißt sie Schutz vor der nackten Realität, für andere ist sie eine bizarre Maske im Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit. Auf der Parade der Kunstfiguren wird das ambivalente Gefühl zelebriert, authentisch sein zu wollen oder zu müssen. Das Streben nach Identität verheißt gesellschaftliche Anerkennung, aber mitunter ist es gerade die ausdauernde Verstellungsleistung, die bewundert wird oder wenigstens zum Lachen bringt.
Zwei hiesige Kunstfiguren befinden sich gerade auf einer politischen Sommerreise, die aus demselben Fach kommen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Horst Schlämmer ist ein Produkt der Übertreibung. Wo Politiker die Stimme heben, um das Wort zu behalten, grunzt er. Wo diese darum ringen, ihrer Überzeugung Gestalt zu verleihen, gibt er sie der Beliebigkeit preis. Die Schlämmer-Partei (HSP) ist konservativ, links und liberal, ein bisschen ökologisch auch. Einen Moment mag man Gefallen finden an der schmuddeligen Figur des Entertainers Kerkeling. Aber je öfter sie auftritt, desto rascher langweilt sie. Horst Schlämmer tut niemandem richtig weh.
Der PARTEI-Gründer (und Ex-Titanic-Redakteur) Martin Sonneborn ist ein Produkt der Reduktion. Ungeschminkt tritt er als personifizierte Unscheinbarkeit im billigen C&A-Anzug auf. Er ist weder laut noch penetrant. Wie Woody Allens Zelig mischt er sich ins Bild und destabilisiert die politischen Koordinaten. Im bayerischen Landtagswahlkampf machte die PARTEI Wahlkampf für die SPD mit den Slogans: "Wir geben auf" oder: "Mit Anstand verlieren". Nach der Nichtzulassung zum Bundestagswahlkampf nestelte Sonneborn vorsichtig am Hemd, unter dem ein T-Shirt mit der Aufschrift "Where is my vote, Wahlleiter?" zum Vorschein kam. Nun sucht Sonneborn Unterstützung bei der Botschaft des Iran. Sonneborn schmerzt. Das wird nicht einfach für die nach Deutschland entsandten Wahlkampfbeobachter der OECD.