Die Longlist für den Deutschen Buchpreis ist da, das heißt: Die Saison ist eröffnet. Die Franzosen haben diese "Rückkehr" ritualisiert als "la rentrée", sie beginnen aber erst Anfang September mit der Wiederaufnahme des Gebrumms.
Die Deutschen, konstitutionell beflissener, sind früher dran. Der Sommer ist zwar immer noch sehr groß, aber das Haus des Buches will eben rechtzeitig gebaut sein, auf dass am 12. Oktober wieder ein Glücklicher bestimmt werde, um den neuen Namen unters Lesevolk zu bringen.
Dass viele andere Bücher, die es ebenfalls wert wären, mit Aufmerksamkeit bestrahlt zu werden, unter dem verschärften Fokus des Buchpreiszirkus leiden, ist weidlich bekannt und muss nicht mehr beklagt werden. Um so mehr darf man sich einverstanden zeigen mit der gestern publizierten Longlist, der am 16. September eine Sechser-Shortlist folgen soll.
Zum Erfolg des Preises gehört, dass bisher alle Jurys sehr kompetent besetzt waren. Echte Ausrutscher bei den ausgewählten Romanen waren kaum zu beklagen und sind es auch diesmal nicht. Ein bisschen vorhersehbar ist die neue Longlist dennoch. Einen wirklich überraschenden Titel sucht man vergeblich; es sei denn, man ließe sich vom Bekenntnis zur Eigenwilligkeit überraschen, denn ein, zwei eigenwillige Titel sind sehr wohl dabei. Insgesamt wirkt die Liste geschlossener, man ahnt, dass die Jury einen homogeneren Geschmack hat als die letztjährige; auch wenn zwischen Sibylle Berg und, sagen wir, Thomas Stangl dann doch Welten liegen.
Wäre Herta Müller mit ihrem neuen beeindruckenden Roman "Atemschaukel" nicht vertreten, gäbe es zu Recht einen Aufschrei im Literaturland. Dasselbe gilt für die Bücher von Therézia Mora und Brigitte Kronauer. Um bei den schreibenden Damen zu bleiben: Erfreulich sind ferner die Nominierungen von Kathrin Schmidts Überlebensroman "Du stirbst nicht" und von Anna Katharina Hahns vielgelobter sarkastisch-einfühlsamer Milieustudie "Kürzere Tage". Ganz besonders sei der Jury gedankt für die Nominierung von Ernst-Wilhelm Händlers Roman "Welt aus Glas". Ein Wunsch möge zum Schluss erlaubt sein: Lasst den klugen Händler auf der Shortlist!