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Times Mager: Männer

Peter Sloterdijk, der fernsehbekannte Sozialneidethiker, hat sich wieder einmal auf das besonnen, was er doch nur ist, nämlich staatlich geprüfter Philosoph in Karlsruhe - und ein Mann. Von Christian Schlüter

Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Christian Schlüter ist Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Peter Sloterdijk, der fernsehbekannte Sozialneidethiker von allerfeinsten Gnaden, hat sich wieder einmal auf das besonnen, was er doch nur ist, nämlich staatlich geprüfter Philosoph in Karlsruhe, und sich dem Ethos seiner Profession entsprechend um Klarheit des Begriffs bemüht. In dem weltbekannten Fachblatt für fundamentalontologische Letztbegründung, dem Playboy, äußert Sloto sich nicht etwa zu allem, was Männern Spaß macht, sondern besteht als Philosoph darauf, erst einmal zu bestimmen, was Männlichkeit eigentlich ist: "Männlichkeit liegt vor, sobald man von jemandem denkt: Das ist jemand, der keine Ausreden braucht Darüber hinaus würde es nicht schaden, wenn jemand sich als Könner konstituiert. Von Männern erwartet man, dass sie Nicht-Nullen sind."

Wo er Recht hat, hat er Recht, unser Premium- und Prachtexemplar von einem Könner - der von der Playboy-Redaktion folgerichtig als der "FC Bayern München unter Deutschlands Denkern" annonciert wird, gegen den sich "all die Axel Honneths und Jürgen Habermas´ dieses Landes" mit ihren "Fankurven in den linksliberalen Feuilletons" wie "Werder Bremen oder der HSV" ausnehmen. Und Recht hat unsere Nicht-Null auch, wenn sie den Männern bescheinigt, immer schon eher bedeutungslos gewesen zu sein, heute aber unter Bedeutungsverlust zu leiden, weil "die Zumutung, bedeutend zu sein, viel stärker an einen herangetragen" wird: "Folglich fällt es stärker auf, wenn man der Erwartung nicht genügt."

Ein weiser Spruch, er lässt uns sofort an Guido Westerwelle denken, der sich zur Zeit als Reiseleiter spendierfreudiger Nicht-Null-Männer in Südamerika verdingt und, um beim Thema zu bleiben, genau das ist, was nach dem Ausverkauf des Politischen noch übrig bleibt, und also das idealtypische Ergebnis der von ihm und seiner Partei propagierten Politik darstellt: einen männlichen Restposten. Denn Männer, die keine Doppel-Null sein wollen, verschwenden sich nicht an die Politik, die mitsamt des Staates bedeutungslos zu machen ohnehin das erklärte Ziel der FDP ist, sondern wollen sich viel besser von der Wirtschaft bezahlen lassen. Guido ist, was bleibt, wenn Sloto Recht behalten sollte.

Autor:  Christian Schlüter
Datum:  11 | 3 | 2010
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