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Times Mager: Mesofacts

Schon wieder gibt es ein neues Wort. Es heißt "Mesofacts". Letztlich geht es bei dieser Wortschöpfung darum, dass der Mensch schwerer von Kapee ist. Aber er bemüht sich, an den Ball zu kommen. Von Judith von Sternburg

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Schon wieder gibt es ein neues Wort, und schon ist es wieder nicht mehr ganz neu. Es heißt "Mesofacts" (in etwa: Mittel-, Dazwischentatsachen) und meint Folgendes: Der Mensch ist sich bewusst darüber, dass sich die einen Dinge ständig verändern (Benzinpreise, Börsenkurse, Berufswünsche der jugendlichen Verwandten), die anderen hingegen nie (Anzahl der Karten beim Skat, Satz des Pythagoras, Höhe des Mount Everest, obwohl: wer weiß).

Dazwischen liegen jene Dinge, die sich so langsam verändern, dass es kaum zu merken ist. Nein, es ist zu merken, aber das Gehirn schafft es nicht, es so bald zur Kenntnis zu nehmen. Bekanntlich kann man eine Fliege erschlagen, wenn man nur langsam genug zuhaut und sie es nämlich nicht mitbekommt (oder sollte das der längst veränderte Wissensstand von 1975 sein?).

Wortschöpfer Samuel Arbesman, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Harvard, nennt als Beispiel, dass 1970 das Periodensystem zwölf Elemente weniger enthalten habe als heutzutage. Oder dass er noch lernte, es gebe 6 Milliarden Menschen, es gibt aber inzwischen 6,8 Milliarden. Vielleicht denkt er auch an die Europäer, die davon ausgehen, dass es ihnen auf ewig besser gehen wird als den Chinesen (lesen Sie hierzu weiter auf der nächsten Seite).

Hinweise, wo Interessierte sich rund um die Uhr auf den neuesten Stand bringen können, finden sich auf der recht überschaubaren Internetseite mesofacts.org. Aber vielleicht platzt sie in zwei Monaten aus allen Nähten, während die Leute an der Straßenecke immer noch darüber lamentieren, ein Besuch der Seite lohne sich nicht.

Das Thema Mesofacts fußt also insgesamt darauf, dass Grundwissen vorhanden ist. Aber selbst wer in Prüfungssituationen (oder kurz vor Redaktionsschluss) einen Wattebausch im Kopf hat, wird sich wenigstens auf Privates besinnen können. All die Jahre etwa, in denen er noch behauptet hat, Musik von Sibelius nicht ausstehen zu können, während er sich längst behaglich räkelte, wenn sie trotzdem aufgelegt wurde.

Letztlich geht es also doch nur wieder darum, dass der Mensch schwerer von Kapee ist, als man es dem Erfinder des Flugzeugs und der Kricketspiels zugetraut hätte. Aber er bemüht sich, immer wieder an den Ball zu kommen.

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  8 | 3 | 2010
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