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Times Mager: Müller

Wohin sie geht, was sie sagt und wo sie liest, wird jetzt genau berichtet. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, meldete gestern "Die Welt", lese am Abend in der Kapelle der Versöhnung in Berlin-Mitte. Von Harry Nutt

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Wohin sie geht, was sie sagt und wo sie liest, wird jetzt genau notiert und berichtet. Die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, meldete gestern die Tageszeitung "Die Welt" in ihrem Berliner Lokalteil, lese am Abend in der Kapelle der Versöhnung in Mitte. Aussichten auf eine mögliche Teilnahme machte das Blatt nicht. Alle 120 Karten waren bereits weg.

Das enorme Interesse an der 56 Jahre alten, aus dem Banat stammenden Schriftstellerin bemisst sich nicht nur den sprunghaft angestiegenen Verkaufszahlen ihres Romans "Atemschaukel". Es gibt auch ein auffälliges Bedürfnis des Publikums, Herta Müller zu hören und ihr zu begegnen. Das mag an den wenigen Lesungen liegen, die sie seit der Bekanntgabe der Preises wahrgenommen hat. Einen bereits geplanten Abend in Essen hatte Müller krankheitsbedingt absagen müssen. Zur bisher einzigen Lesung in Freiburg waren jedoch über 1000 Zuhörer gekommen.

Wer Herta Müller auf der Buchmesse und in TV-Interviews erlebt hat, der konnte eine Ahnung davon bekommen woher diese Zuneigung rührt. Äußerlich von dem plötzlichen Ruhm unbeeindruckt, wies Herta Müller jede Form einer neuen Rollenzuweisung zurück. Sie habe keinen missionarischen Auftrag und sie könne auch nicht 24 Stunden am Tag Nobelpreisträgerin sein, sagte sie dann.

Dass die Nachmittage einer Schriftstellerin auch mit Blumenpflege ausgefüllt sein können, berichteten unterdessen die von der Berliner Lokalpresse einvernommenen Nachbarn. Müller kümmere sich, hieß es, sehr rührig um die Beete im Hof. Im Friedenauer Malerviertel, wo Herta Müller seit Jahren in der Menzelstraße lebt, wird derweil nachholende Spurensuche betrieben. Manch einer meint, sie beim Einkaufen gesehen zu haben, ein anderer ist ihr wiederholt am S-Bahnhof Feuerbachstraße begegnet. In der Nicolaischen Buchhandlung in der Rheinstraße ist man stolz, sie als Kundin zu haben.

Frau Müller von nebenan, das ist vielleicht die bemerkenswerteste Begleiterscheinung dieses Nobelpreises, ist weit entfernt davon, eine Schriftstellerdarstellerin abzugeben. Der Preis ist auch die Entdeckung eines authentischen Sprechens jenseits der Literatur.

Datum:  29 | 10 | 2009
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