Zu lasch? Das kann ja wohl nicht wahr sein, was der Hessische Landesrechnungshof kürzlich herumposaunte: Eine gründliche Überprüfung der Steuerpflichtigen im Lande finde "nicht in ausreichendem Umfang" statt, beschied der Rechnungshof und listete eine Reihe gravierender Mängel im Überprüfungsverhalten der Finanzverwaltung auf, die sich bisher offenbar zugunsten besonders der etwas höheren Einkommen auswirken. Natürlich kam eine wutschnaubende Entgegnung aus dem Ministerium. Die Außendienste, die mit Steuerprüfungen befasst seien, seien seit 2005 um 16 Prozent verstärkt worden, hieß es da unter anderem, und von einer Schonung von Steuersündern könne keine Rede sein.
Als die Verstärkung der Außendienst-Steuerprüfer begann, waren erst einmal die Musiker an der Reihe. Musiker, die zum Beispiel an einer Universität oder als Instrumentenbauer ein Einkommen hatten und als Musiker zusätzlich ein unregelmäßiges. Da wurde kritisch und investigativ geprüft und gefragt, zum Beispiel: Warum braucht ein Pianist zu Hause ein Klavier und noch ein Zimmer, in dem er Klavier übt? Er arbeitet doch auch an der Uni, gibt es da denn keine Klaviere und Räume? Na also. Und dann ständig diese Reisen, sind das wirklich Konzertreisen? War nicht im vorvorletzen Jahr einmal offensichtlich auch seine Frau dabei? Das ist dann aber keine beruflich bedingte Reise mehr.
Wenn der Typ dann aufmuckt, dann sagt man ihm freundlich und leise: Wir prüfen hier nur die vergangenen drei Jahre, wir können aber gern noch ein paar Jahre mehr überprüfen, mal sehen, was sich da noch an Ungereimtheiten findet (beiseite:) und mal sehen, wie viel Spaß der Musiker am Zusammensuchen der Belege hat, man könnte das ohne weiteres so einrichten, dass er ein Jahr lang vor lauter Erklären und Belegesuchen nicht mehr zum Musikmachen kommt. Ob er das will? Dann erklärt man die Musik einfach zu seinem Hobby, schon ist Schluss mit der steuerlichen Absetzbarkeit der Kosten.
So kommt es, dass Musiker in Hessen zu den steuerlich gut überprüften Berufsgruppen zählen. Und irgendwann sind dann auch die Millionäre dran.