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Times Mager: Neda

Der Tod von Neda Soltani ist binnen Kurzem zum Symbol der iranischen Protestbewegung geworden. Die Bilder sind Gegenstand einer Diskussion über Authentizität und Fälschung im Youtube-Zeitalter. Von Harry Nutt

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

"Dann wackelt das Bild, der Film reißt ab, heißt es in dem Lied "Ballade vom Kameramann", in dem Wolf Biermann mit bewegter Stimme davon singt, dass ein chilenischer Kameramann während einer Demonstration gegen das Pinochet-Regime seine eigene Ermordung dokumentiert. Die Bilder ("Ein Mann filmt seinen Mörder beim Mord") gingen seinerzeit um die Welt wie nun die über Youtube verbreitete Sequenz der jungen Iranerin Neda, die in den Straßen von Teheran ihren Verletzungen erlag.

Der Tod der Studentin Neda Soltani ist binnen weniger Tage zum Symbol der iranischen Protestbewegung geworden. Unter welchen Umständen die Frau ums Leben kam, darauf werden die Medien nicht müde hinzuweisen, könne ebenso wenig überprüft werden wie die Angaben zu ihrer Person. Tatsächlich kursieren unterschiedliche Angaben zu Nedas Alter, die Bilder von ihrem Tod sind vor allem auch Gegenstand einer Diskussion über Authentizität und Fälschung im Youtube-Zeitalter.

Ein Akt der Beglaubigung kommt nun von der Homepage des brasilianischen Schriftstellers und Bestseller-Autors Paulo Coelho. Über die Studentin Neda weiß auch er nichts zu berichten, aber Coelho hat jemanden auf den Bildern der Sterbeszene erkannt. "Mein bester iranischer Freund, ein Arzt, der mir die Schönheit der iranischen Kultur gezeigt hat, als ich im Jahr 2000 in Teheran war, (...)ist hier dabei zu sehen, wie er versucht, Neda mit Herzmassagen wiederzubeleben." Sein Freund, der Arzt, schreibt Coelho, kämpfte für die Islamische Republik Iran im Krieg gegen Irak und versorgte verwundete Soldaten an der Front. Immer habe sein Freund, der Arzt, auf der Seite der echten humanen Werte gestanden.

Mehr schreibt Coelho nicht. Er weist darauf hin, dass monatlich über 230 000 Besucher seinen Blog aufsuchen. Diese ermuntert er zu Einträgen und fordert sie dazu auf, die verborgenen Kräfte in sich selbst zu suchen.

Und? Muss man ihm glauben? Sein Beitrag über die Todesbilder von Neda bekräftigt einerseits die Authentizität des Gezeigten: Ich kenne den Mann daneben. Anderseits trägt der Blog des berühmten Schriftstellers aber auch zur weiteren Verrätselung bei.

Autor:  HARRY NUTT
Datum:  24 | 6 | 2009
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