"Arash landed in London", heißt es kurz und knapp im Eintrag vom 24. Juni auf der Internet-Seite des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho (www.paulocoelhoblog.com).
Arash heißt mit vollständigem Namen Arash Hedschasi. Coelho meint, ihn in dem inzwischen zu großer Berühmtheit gelangten Handy-Video erkannt zu haben, das den tragischen Tod der iranischen Studentin Neda zeigt (FR v. 24. Juni). Arash Hedschasi ist der Mann im weißen Hemd, der neben Neda kniet und erste Hilfe zu leisten versucht. Vergeblich.
Nachdem Coelho seine Vermutung über die Identität des Arztes formuliert und ihn der Netzöffentlichkeit mitgeteilt hatte, nahm er Kontakt zu Arash Hedschasi auf. Der bestätigte seine Anwesenheit am Ort des Geschehens, bat aber darum, vorerst anonym bleiben zu können. Paulo Coelho stellte den Mailverkehr mit ihm erst nach dessen Ankunft in London online.
Nach seiner glücklichen Rückkehr nach Großbritannien, wo Hedschasi als Arzt arbeitet, gab er der BBC ein Interview und teilte mit, was er über über Nedas Tod zu wissen meinte. "Vermutlich wurde sie an der Aorta und an der Lunge getroffen." Die junge Frau sei innerhalb von wenigen Minuten gestorben. Der andere Mann in dem blau-weiß gestreiften T-Shirt fing an zu weinen und rief: "Mein Kind, mein Kind." Er sei, so habe er später erfahren, Nedas Musiklehrer gewesen.
Arash Hedschasi macht die iranischen Bassidsch-Milizen für den Tod Nedas verantwortlich. Die umstehenden Menschen hätten einen den Milizen angehörenden Motorradfahrer als Schützen ausgemacht, ihn überwältigt und anschließend zur Rede gestellt. "Ich wollte sie nicht töten", habe der Mann gesagt. Man habe den mutmaßlichen Täter fotografiert und ihm seinen Ausweis abgenommen, ihn dann aber laufen lassen. Man habe nicht gewusst, was man mit ihm machen solle. Arash Hedschasi erklärt, er habe sich mit der Hilfe seines berühmten Schriftstellerfreundes an die Öffentlichkeit gewandt, um die Echtheit des Videos zu beweisen. Er geht davon aus, dass er nicht in den Iran zurückkehren kann.
Neda, Coelho und der Arzt - eine Geschichte über Tod und Gewalt und darüber, wie die neuen Medien die Welt beobachten.