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Times Mager: On Ice

wenn erstmal alles schief läuft, mit dem Wirtschaften und dem Regieren, dann spielt irgendwann auch das Wetter verrückt. In den Metropolen kommen die Eisplatten ganz Dicke. Von Harry Nutt

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Winter und dessen meteorologische Begleiterscheinungen schienen sich zuletzt prima an das allgemeine Lifestyledesign anzupassen. Unsere Milkamädchen aus Olympia ließen Kältegefühle gar nicht erst aufkommen, und Skipisten hinaufdonnernde SUVs signalisierten motorisierte Machbarkeit. Alles eine Frage der Technik. Aber wenn erst einmal alles richtig schief läuft, mit dem Wirtschaften und dem Regieren, dann spielt irgendwann auch das Wetter verrückt.

War Winter lange Zeit jene öde Jahreszeit, in der Schnee möglich, aber nicht wahrscheinlich war, so kommen nun seit Wochen gerade auch in den die Klimakatastrophe forcierenden Metropolen die Eisplatten ganz dicke. In den alpinen Landschaften an den Straßenrändern versagen die Parkhilfen gepanzerter Allzweckwaffen auf Rädern, und auf den Gehwegen sind die tapsigen Bürger darum bemüht, bloß jeden Schritt sicher vor den nächsten zu kriegen. Dass das keineswegs immer gelingt, belegen zahlreiche Reportagen aus den Krankenhäusern. Die Chirurgen kommen mit dem Operieren nicht nach. Die Zahl der Knochenbrüche und Bänderrisse ist um ein Vielfaches gestiegen.

Der Winter zeigt die Kälte der Kontingenz. Und die Hilflosigkeit der Politik. "Wir können das Eis nicht wegzaubern", sagte am Dienstags Berlins Regierungssprecher Richard Meng und appelierte an die Berliner Not- und Selbsthilfetugenden. "Jetzt muss wirklich jeder mit anpacken und helfen. So wie bisher kann es nicht weitergehen."

Entwarnung kam unterdessen von der Leitung der Berlinale. Pünktlich zum Start der 60. Filmfestspiele ließ Festivalsleiter Dieter Kosslick weitgehende Pömpssicherheit verkünden. Private Räumdienste sollen das Rot auf dem Teppich nahezu eisfrei erstrahlen lassen. Jury-Mitglied Renée Zellweger nahm Kosslick am Flughafen Tegel fürsorglich selbst an die Hand.

Berlin zeigt sich dieser Tage aber auch geschichtsbewusst. Während man auf dem Boulevard Unter den Linden einigermaßen zügig vorankommen kann, gibt sich die Passage vor der russischen Botschaft besonders eisig. Der Winter - ein Lehrstück.

Datum:  11 | 2 | 2010
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