Aus den Worten Ulrich Raulffs spricht Vorfreude: "Es würde einfach wahnsinnig gut passen", sagte der Direktor des Deutschen Literaturarchivs in Marbach dem Deutschlandfunk mit Blick auf einen möglichen Erwerb der Suhrkamp- und Insel-Archive.
Das Gerücht, dass sich Marbacher Mitarbeiter in Frankfurt umgeschaut haben, und zwar sowohl in den Kellern der Lindenstraße, dem Suhrkam-Verlagssitz bis Ende des Jahres, als auch auf dem Universitäts-Campus, wo das Peter-Suhrkamp-Archiv seit 2002 als Dauerleihgabe betreut wird, hat sich wie ein Lauffeuer in der vom Verlassenheitssyndrom geschwächten Stadt verbreitet.
Geht nicht nur der Suhrkamp Verlag an das windige Berlin verloren, wird Frankfurt jetzt auch noch das kostbare Verlags-Archiv entrissen?
Besonders schmerzlich wäre das für die Goethe-Universität, wo das Peter-Suhrkamp-Archiv vorbildlich erschlossen wird - natürlich möchte man die Arbeit fortsetzen. Andererseits gibt sich die Universität angesichts der Lage viel zu verzagt. Es reicht nicht, auf die ohnehin unbestritten gute Arbeit hinzuweisen und sich zu wundern, "dass die Verlagsleitung hinsichtlich der weiteren Verwendung des Archivs offenbar Verhandlungen mit dritter Seite aufgenommen hat, ohne zuvor mit uns das Gespräch gesucht zu haben".
Suhrkamp gibt sich diplomatisch: Das Hauptinteresse, sich vor dem Umzug vom Schatz der Archive zu trennen, sei keineswegs Geldbedarf, sondern "öffentliches Zugänglichmachen". Das "Konzept" müsse überzeugen, unterstreicht der stellvertretende Verleger Thomas Sparr, dem das Marbacher Archiv im Übrigen wohlvertraut ist - er war dort selbst einst als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Ulrich Raullf und Sparr scheinen sich zu verstehen. Zwar spreche nichts gegen Frankfurt als Aufbewahrungsort der fraglichen Archive, betont Raulff, vieles jedoch spreche für Marbach; und dem Argument kann man sich mit Blick nicht nur auf die dort archivierten Nachlässe etlicher Suhrkamp-Autoren tatsächlich kaum entziehen. Es ist also durchaus möglich, dass Suhrkamp-Mitarbeiter bald, um die eigene Verlagsgeschichte zu erforschen, von Berlin nach Marbach reisen müssen. Es sei denn, dem unglücklichen Frankfurt fällt noch etwas ein.