kalaydo.de Anzeigen

Times Mager: Robbens Reise

Unvergessen die Zeiten, da staubte die Außenlinie, denn die weiße Kreide war der Sternenstaub an den Achillesfersen der Stürmerstars, und einen solchen Schweif hätten wir jetzt auch Arjen Robben gewünscht.

 Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Unvergessen die Zeiten, da staubte die Außenlinie, denn die weiße Kreide war der Sternenstaub an den Achillesfersen der Stürmerstars, und einen solchen Schweif hätten wir jetzt auch Arjen Robben gewünscht, als er die Linie entlang brauste, den Ball am linken Fuß wie einen abhängig Beschäftigten. Schon lotste er ihn durch dick und dünn in den Strafraum, wo Neuer Schritt für Schritt den Winkel verkürzte. Der Ball war unterwegs.

Bis zu diesem Augenblick war das DFB-Halbfinale Schalke-Bayern ein abstoßender Abnutzungskampf, ausgepowert von bayerischer Dominanz auf fremdem Platz, wogegen die königsblauen Schalker als die ungekrönten Fürsten des taktischen Fouls opponierten. Das Ergebnis war ein Systemstarrkrampf - das berühmte Spielfeld als Blaupause des berüchtigten BRD- Umfeldes.

Dann aber Robben, die systemsprengende Kraft, dem die Natur die Schnelligkeit schenkte und den Linksfuß so in den Oberkörper eingehängt hat, dass es zur Grenzüberschreitung kam. Auf die Reise wurde der Ball geschickt mit unwiderstehlichem Schnitt, worauf Neuer sich dem Schicksal schwebend entgegenstemmte.

Robben aber durfte zusehen, wie der Tormann Ball und Augenblick noch mit den Fingerspitzen berührte, vergeblich - doch ganz nach dem Motto: Verweile doch.

Datum:  26 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken