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Times Mager: Schaumindex

Die Zahl 3,8 klingt nicht besonders eindrucksvoll. Wenn es sich allerdings um die Minderung des Bruttoinlandsproduktes handelt, sieht die Sache natürlich anders aus. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Die Zahl 3,8 klingt nicht besonders eindrucksvoll, auch nicht, wenn man das Wort "Prozent" dahinter setzt. Ein in traditioneller Flaschengärung hergestellter Schaumwein aus der Champagne, landläufig "Champagner" genannt, hat zum Beispiel seine zwölf Prozent auf dem Etikett, oft sogar mehr, und zwölf Prozent, das klingt doch schon viel beeindruckender. Wenn es sich allerdings nicht um Prozentpunkte für Alkoholgehalt, sondern um die Minderung des Bruttoinlandsproduktes handelte, sieht die Sache natürlich anders aus, da sind 3,8 Prozent ein rechter Batzen.

Der Eindruck, den diese Zahl auf den Bundesfinanzminister gemacht hat, wird so recht erst aus einer anderen Zahl ersichtlich, mit der Berichte zu aktuellen wirtschaftlichen Lage garniert werden, nämlich 320 Milliarden - das ist die Anzahl der Euros, die der Staat in den kommenden drei Jahren an Mindereinnahmen zu erwarten hat. Was haben da die zwölf Prozent des Champagners zu suchen?

Natürlich ist auch der Champagnerumsatz eingebrochen, und da reichen einstellige Prozentzahlen nicht. Der Champagnerumsatz ist aktuell um rund 30 Prozent zurückgegangen, und dieser Wert setzt sich zusammen aus einer französischen Inlands-Einbuße von 47 und einer Export-Einbuße von 23 Prozent.

Klar, auch die Reichen müssen sparen, aber gleich so viel? So einfach ist es nicht, denn der Champagner-Umsatz ist nicht nur ein wirtschaftliches Datum, sondern ein Indikator: Werden gute Geschäfte getätigt, stößt man darauf gern mit einem Taittinger an oder einem Heidsieck, jedenfalls wenn man Bruno Paillard nicht kennt und auch nicht Krug oder Ruinard. Werden keine guten Geschäfte getätigt, wird Champagner nur noch bei gesellschaftlichen Anlässen getrunken, der Umsatz sinkt. Umgekehrt wäre also zu erwarten, dass steigender Champagner-Umsatz Licht am Ende des Tunnels ankündigt. Im Moment sieht es also düster aus.

Ob es auch einen Prosecco- oder Faber- oder Rotkäppchen-Index gibt, der darauf hinweist, dass man auf mäßige Geschäfte mit einem preiswerteren Schaumwein anstößt? Aber auch hier sinken die Umsatzzahlen. Zurzeit werden offenbar nicht einmal mäßige Geschäfte getätigt.

Autor:  HANS-JÜRGEN LINKE
Datum:  16 | 5 | 2009
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