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Times Mager: Schlossspiele

Für Uwe Lehmann-Brauns (CDU) wäre es ein ideologisches Debakel: Es wäre ein makabres Signal, wenn ausgerechnet eine bürgerliche Bundesregierung das Berliner Stadtschloss nicht wiederaufbaute Von Harry Nutt

Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Harry Nutt ist Korrespondent der Frankfurter Rundschau in Berlin.
Foto: FR

Für Uwe Lehmann-Brauns (CDU), der den Liedermacher Wolf Biermann zu seinen Freunden zählt, wäre es vor allem auch ein ideologisches Debakel. "Fast 20 Jahre waren nötig", rechnet er in "Bild" vor, um das Vorhaben gegen die Linken durchzukämpfen. Es wäre ein makabres Signal, wenn ausgerechnet die zukünftige bürgerliche Bundesregierung den Schlossgegnern solch ein überraschendes Geschenk machte."

Makabres Signal, durchkämpfen. Gegen die Linken. Das Vokabular des Berliner Parlamentariers verrät, wie sehr der Beschluss für den Wiederaufbau des Stadtschlosses noch im Westberliner Nachkriegsmilieu wurzelt. Unter der Wiese am Lustgarten liegt der Strand, und die Steine, die dort zu Fassade und Forum aufgetürmt werden sollen, sind weit davon entfernt, einen entspannten Umgang mit dem Preußischen zu signalisieren.

Und die neu-koalitionären Haushälter sind alles andere als frei, wenn es darum geht, am Schloss ihr Gefühl für die Grundrechenarten zu erproben. Wie wäre es, wird mancher sich gedacht haben, wenn ein Zehntel Prozent Steuererleichterung aus den Fenstern der barocken Fassade fiele. So läuft das aber nicht. Das Schloss wird gebaut. Zumindest kann man nichts anderes sagen.

Die gute Nachricht bestand ja bereits darin, dass für die Koalitionsverhandlungen eigens ein Kulturarbeitskreis eingerichtet worden ist. Gegenüber der FDP hält sich hartnäckig der Verdacht, dass im partikularen Politikverständnis der Liberalen Kunst und Kultur nicht vorgesehen sind. Der Einfachheit halber, so der Verdacht, verwendet man hier den Begriff Kreativsektor. Gegen eine derart bösartige Vorurteilsstruktur wird ein künftiger Außenminister Westerwelle Wert darauf legen, mit Hilfe des ihm dann unterstellten Goethe-Instituts Sprach- und Symbolpolitik zu betreiben.

Wie wenig Spielraum indes dem Kulturarbeitskreis im Koalitionsmikado gegeben ist, verrät noch eine andere Erblast aus der letzten Legislatur. Erika Steinbach beansprucht noch immer ihren Platz in der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Die Frage ist nicht, wieviel Kultur die FDP hat, sondern welche Kämpfe sie führen kann und will.

Datum:  22 | 10 | 2009
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