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Times Mager: Sepiaschloss

Sepiafarben satt. Die Simulationen, die eben erst vom Bundesbauministerium herausgegeben wurden, tauchen die Fassadendes Berliner Stadtschlosses in eine Spätzeitstimmung. Von Christian Thomas

 Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Ressortleiter des Feuilletons der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Sepiafarben, aber satt. Die Simulationen, die eben erst vom Bundesbauministerium an die Öffentlichkeit gegeben wurden, auf dass diese sich ein Bild vom zukünftigen Berliner Stadtschloss machen könne, tauchen dessen Fassaden in eine Spätzeitstimmung. Sepiafarben der Abendhimmel über Berlin, sepiafarben der Astral-Baukörper. Das ist kurios, vielleicht sogar absurd.

War doch das Wort zuletzt regelrecht verpönt. Stadtschlossfans haben in den letzten Jahren vielerlei unternommen, um es zu untersagen. Keine Vokabel, so versuchten Stadtschlossanhänger die Gegner einer Neo-Residenz zu erziehen, sei historisch absurder, architektonisch abwegiger. Nun aber lässt ausgerechnet das Bundesministerium ein solches Bild wieder auferstehen. Zum Comeback gehört, dass mancher Anhänger (und Ideologe) der Stadtschlossidee seinen Beitrag mit den sepiafarbenen Visualisierungen illustriert hat.

Das Stadtschloss Berlin, ganz in Sepia.
Das Stadtschloss Berlin, ganz in Sepia.
Foto: Bundesbauministerium

Aber sind die Aussichten tatsächlich so wunderschön? Wie auch immer man den neuen Fahrplan (Fertigstellung des Bauwerks 2016 anstelle von 2013/14) beurteilt und die auf 480 Millionen Euro gedeckelten Baukosten für realistisch hält, wie auch immer der Rechtsstreit um den Auftrag an Franco Stella ausgehen wird - der neue Bundesbauminister Peter Ramsauer wird sich rasch orientieren müssen, Fachmann für Wirtschaftsfragen und Verkehrspolitik, der er bisher in der CSU war.

Nicht so sehr die Orientierung auf den Neobarock dürfte dem Bayern möglicherweise schwer fallen. Schließlich ist der Bayer, jedenfalls der von Natur aus durch und durch zuverlässige, sowohl barock geerdet als auch transzendental verankert. Doch über solche Fragen hinaus - wie wird es um Ramsauers Zukunft bestellt sein? Nicht um seine Bundesbauministerbiografie, nicht um seine Karriere in der Koalition, wohl aber um das Image in seiner Heimat, als Bayer.

Wie werden all seine Leute, mit ihrer Sepiastimmung für die Wittelsbacher, mit ihrer Herzenswärme für die Habsburger, auf ihren Mann reagieren? Werden sie in einem der Ihren einen Abtrünnigen sehen? Sehen müssen, weil die Formvollendung einer Hohenzollernreplik in bayerisch-barocken Händen liegt?

Datum:  28 | 10 | 2009
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