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Times Mager: Sex und Tod

Vertritt die Katholische Kirche angesichts der Aids-Pandemie eine inhumane Position? Kondome könnten das Problem nicht lösen, so der Papst. Im Gegenteil. Von Christian Schlüter

Dr. Christian Schlüter arbeitet in der Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.
Dr. Christian Schlüter arbeitet in der Feuilletonredaktion der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Stellen wir uns mal dumm und fangen ganz von vorne an. Also mit dem Papst: Am Dienstag hatte Benedikt XVI. auf seinem Flug von Rom nach Kamerun gegenüber Journalisten von einer "Humanisierung der Sexualität" gesprochen.

Auf die Frage, ob die Katholische Kirche angesichts der epidemischen Verbreitung von Aids nicht eine ideologisch verbohrte, zumal unrealistische und damit sogar inhumane Position vertrete, wenn sie sich gegen den Gebrauch von Kondomen ausspreche, gab der Papst folgende Antwort: Das Übel könne "nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem zu vergrößern".

Bis heute empört man sich über diese Äußerung und wird nicht müde, an den theologisch irgendwie plausiblen, allerdings in praktischer Hinsicht überaus fahrlässigen römisch-katholischen Verlautbarungsunsinn zu erinnern, Kondome seien ein Vergehen gegen den göttlichen Schöpfungswillen.

Nur: Davon hatte Benedikt gar nicht gesprochen, und als hätte er die gerne auch mit einigem Überheblichkeits-Furor veröffentlichte Empörung vorhergesehen, gab er noch zu Protokoll, dass "dieses Problem der Aids-Krankheit nicht allein mit Werbeslogans gelöst werden kann".

Ortswechsel. Dem amerikanischen Biologen Raymond Pearl (1879-1940) verdanken wir einen nach ihm benannten Index, der die Zuverlässigkeit von Methoden der Empfängnisverhütung angibt. Beispiel: Bei regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein Jahr hinweg gilt für 20-jährige Frauen der statistische Wert, dass 85 Prozent von ihnen schwanger werden - der Pearl-Index lautet somit 85. Bei der Verhütung mit der Pille beträgt er zwischen 0,1 und 0,9, beim Coitus Interruptus zwischen 4 und 18, bei der Verwendung eines Kondoms hingegen bis zu 12.

Kommen wir zurück zum Papst und halten fest, dass man sich im Hinblick auf Aids durchaus einen Schutz durch das Kondom erhoffen darf, dass es aber, ganz pragmatisch, sicherere Methoden gibt, nämlich Treue und Enthaltsamkeit. Nichts anderes hat Benedikt zu bedenken geben wollen. Anders gesagt: Sexualität wird doch nicht allein dadurch human, dass man durch sie nicht stirbt. Hey, das gilt sogar in Afrika.

Autor:  CHRISTIAN SCHLÜTER
Datum:  20 | 3 | 2009
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