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Times Mager: Sirup & Federn

Londons Tate Gallery feiert 20 Jahre Zusammenarbeit mit einem ihrer Hauptsponsoren, der unter anderem auch das Britische Museum unterstützt. Nicht, dass wir Freude hätten, BP dafür zu loben. Von Judith von Sternburg

Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Judith von Sternburg ist Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

In diesem Sommer feiert Londons Tate Gallery die seit zwanzig Jahren bestehende Zusammenarbeit mit einem ihrer Hauptsponsoren. Es ist zugleich einer der Hauptsponsoren des Britischen Museums, der National Portrait Gallery und des Royal Opera House. Und es ist nicht der Sommer, in dem man große Freude daran hat, den Energiekonzern BP dafür zu loben.

In der Tat ist nun auch eher das Gegenteil der Fall. Künstler und Aktivisten, liest man, haben am Montagabend versucht, die dem Jubiläum gewidmete Tate-Sommerparty zu sprengen. Jeder nach seiner Art. Die Künstler trugen Schwarz und riefen "Was wollen wir? Freiheit für die Tate! Wann wollen wir es? Jetzt!" Die Aktivisten trugen Masken und leerten schwarzen Sirup aus. Darunter mischten sie Vogelfedern.

Tate-Direktor Nick Serota kommentierte nüchtern: Zwanzig Jahre lang habe niemand etwas gegen diese Zusammenarbeit gehabt. Da sagt er was. Und einer der Partygäste, Nick Rhodes von der Popgruppe Duran Duran, sagte auch was: "Ich sehe das Geld lieber in den Händen der Kunst als eines Ölkonzerns."

Da macht er es sich vielleicht eine Spur zu leicht. Aber in einer Welt, in der Museumsdirektoren als altmodische Versager gelten, wenn sie nicht mithilfe einer properen Zahl Sponsoren den Betrieb aufrechterhalten können, darf man sich wahrlich nicht zu sehr wundern. Und muss sich bei der Politik bedanken, die diese Situation durch einen immerhin konsequenten Rückzug hervorgerufen hat. Vor wenigen Tagen erst hat Daphne Todd den mit 25000 Pfund dotierten BP-Porträt-Preis erhalten, für ein erschütterndes Bildnis ihrer hundert Jahre alten Mutter auf dem Sterbebett. Natürlich müssen Künstler mit ihrer Kunst bisweilen Geld verdienen.

Bei einer Aktion im Vormonat hatten Protestler in der Turbinenhalle der Tate Ballons steigen lassen, an denen tote Fische hingen. Die Angestellten mussten die Ballons mit Luftgewehren abschießen. Auch am Montagabend sollen sie schwer zu tun gehabt haben. Bis weit in die Nacht waren sie damit befasst, das Sirup-Federn-Gemisch zu entfernen. Die Drecksarbeit, auch davon handelt dieser Fall schließlich, bleibt immer an anderen hängen.

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  29 | 6 | 2010
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