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Times Mager: Venus v. d. Alb

Wieder ein Sensationsfund von der Schwäbischen Alb: Eine Skulptur, von der es heißt, es gäbe weltweit keine ältere. Staundend stehen wir Nachweltler davor. Von Christian Thomas

Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
Christian Thomas ist Feuilletonredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Die Schwäbische Alb, immer wieder die Schwäbische Alb. Der Mensch und Weltbürger darf bei ihr an Heimat und Epizentrum denken. Denn erneut sind Forscher unter dem Höhenzug-Rücken der Alb auf ein Bildnis gestoßen, einen Sensationsfund, so die von den Gräbern in die Welt gesetzte Botschaft. Am Mittwoch soll die Frauengestalt der Öffentlichkeit vorgeführt werden, eine Skulptur, von der es bereits heißt, es gäbe bisher weltweit keine ältere.

Tatsächlich hat die Forschergruppe um den Tübinger Archäologen Nicholas Conard schon manche vereinzelte Erscheinung ans Licht gebracht, darunter 2006 die älteste vollständig erhaltene Elfenbeinfigur der Menschheitsgeschichte, ein Mammut, vier Zentimeter lang, aus der "Vogelherdhöhle" bei Niederstotzingen. Mit dem, was sich jetzt als Fund aus der Höhle "Hohler Fels" bei Schelklingen anbahnt, wird die Schwäbische Alb erneut zu einer Schatzkammer des Jungpaläolithikums. Vorfahren hinterließen einen "Löwenmenschen", über 30 000 Jahre alt, einen Elfenbein-Pferdekopf, eine Wasservogel-Nachbildung, bei Blaubeuren fand sich die älteste bekannte Flöte der Welt. Staunend stehen wir Nachweltler vor Darstellungen, mit denen vor Jahrzehnttausenden die ersten jungen Wilden daran gingen, sich ein Bildnis von ihrer Umwelt und sich selbst zu machen.

Bereits der Steinzeitmensch und Eiszeitzeitgenosse malte und schnitzte. In prähistorischen Felsmalereien brachte der Vorfahr die Wände zum Sprechen. Die Darstellungen in der Chauvet-Höhle im Tal der Ardèche sind über 33 000 Jahre alt. Mit den während der Eiszeit tätowierten Felsen nahm der Vorfahr ein Zwiegespräch auf, wie auch mit sich selbst ein Selbstgespräch. Bewusstseinsdämmerung im Bauch der Erde.

Von der Frauenfigur, die jetzt geborgen wurde, heißt es, sie sei bis zu 35 000 Jahre alt. Daran gemessen seit einem überschaubaren Zeitraum gilt der Hohle Fels als eine 1-A-Adresse der Urahnenforschung. Neben der Anschrift hat man für die Figur bereits einen Namen gefunden: "Venus von Schelklingen". Wie weit auch immer ihre künstlerische Laufbahn zurückreichen und ihre weitere Karriere aussehen wird: Im "Hohlen Fels" darf man ein Urgestein der Skulpturenkunst erkennen.

Autor:  CHRISTIAN THOMAS
Datum:  11 | 5 | 2009
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