Prominente haben heutzutage ja doch etwas von einem Mückenschwarm: Schwirren überall herum, ob in Zeitung, Fernsehen oder Internet, und sind beileibe nicht zu verscheuchen. Denn es gibt irgendwo immer noch Medienmenschen, die glauben, unsereinen interessiert, wen Herr Becker oder Herr Pocher gerade mal wieder schwängert und wen Sabine Christiansen neulich in Ulla Schmidts Dienstwagen herumkutschiert hat (oder war es doch umgekehrt?).
Dass etwa die Zeitung mit den ganz großen Buchstaben uns täglich eine prominente Scheidung mit tödlichem Ausgang (oder ist es doch umgekehrt?) serviert, verfolgt eh nur den Zweck, uns permanent Valium zu verabreichen: Die Berühmtheiten als Menschen mit Problemen wie Du und ich, wer wird sich also noch über kleine Sauereien aufregen, wenn so ein Versager-Banker mit ein paar Millionen versorgt wird oder Herr Ackermann sich seine Geburtstagsfete von uns Steuerzahlern spendieren lässt.
Aber nun wird alles besser, denn aus Amerika, dem Lande der Verheißung, kommt die Frohe Botschaft, dass ein wirklicher Star den Weg zur Umkehr eingeschlagen hat. Statt dem Egoismus zu frönen, will er uns helfen und, gläubiger Christ, der er ist, den rechten Pfad weisen. Bob Dylan, der Sänger mit dem näselnden Organ, das mit den Jahren immer rauer geworden ist, will also demnächst seine Stimme für Navigationsgeräte zur Verfügung stellen.
Dass er dazu geeignet ist, daran zweifeln wir nicht, hat er uns doch schon Belege profunder Ortskenntnis mit Highway 51, Highway 61 und sogar Highway 61 Revisited geliefert. Und wer wüsste mehr von Straßenverhältnissen, als einer, der schon Million Miles hinter sich gebracht, die Welt von California bis Mozambique bereist und dabei gemerkt hat, dass es No Direction Home gibt.
Seit gefühlter Ewigkeit mit dem Mikro vertraut und seit ein paar Jahren seine Show im Radio moderierend, hat der Sänger auch hinreichend Erfahrung als Sprecher. Die Frage ist eher, ob sich ein braver Autofahrer wirklich anhören will, dass vor ihm irgendwo Blood on the Tracks liegt, und wenn er nicht weiter weiß, sich von Dylan sagen lassen muss: "You ain´t going nowhere"