Unser Schulpastor erklärte Gottes verschwenderische Liebe gern mit einem hausgemachten Gleichnis: Ein Mann verschenkt auf der Straße Geldscheine, und keiner will einen haben. Leider verfehlte die schöne Geschichte meist ihre Wirkung, denn wir hätten das Geld sofort genommen. Heute verstehe ich Pfarrer Corsten besser. Wenn Filmpreise großzügig vergeben werden, geht es nicht nur um Nächstenliebe, sondern auch um Selbstdarstellung.
Beim Münchner Filmfest, wo seit 20 Jahren mit Mitteln der Hypo-Vereinsbank, der Bavaria und des Bayrischen Rundfunks ein Förderpreis für deutsche Erstlingswerke existiert, ist die Sache vertrackter. Das Festival gibt der Jury eine Liste, auf der nicht alle gezeigten Debütwerke verzeichnet sind. Nachdem sich die von Caroline Link geleitete Jury eine Woche auf dem Filmfestival aufhielt und dabei besseren Debütfilmen begegnete als denen, die sie auf der Liste hatte, verweigerte sie die Preise für Regie und Drehbuch: "Wir hatten das Gefühl, dass das Filmfest die Preise dann ja auch gleich selber vergeben kann", erklärte Link.
Festivalleiter Ströhl machte die Sponsoren verantwortlich: "Wie jedes Jahr gingen alle Filme, die den Auswahlkriterien der Preisstifter entsprachen, ins Rennen um den Förderpreis." Link versicherte dagegen, Sponsoren hätten zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf die Jury genommen. Warum also fielen Filme heraus? "Es liegt an den Regularien", erklärte ein Festivalsprecher. "Niemand darf über 35 sein, aber nicht alle Regisseure reüssieren so früh."