Der olympische Frieden findet nicht statt, schon gar nicht im Kaukasus. Die seit einer Woche sich ständig steigernden Schießereien weiten sich zu einem Krieg aus, und es ist nicht abzusehen, dass er auf die Republik Georgien und ihre abtrünnige Region Südossetien begrenzbar ist. In deren Hauptstadt Zchinwali sind georgische reguläre Truppen vorgestoßen. Abchasien, die andere abtrünnige Region, hat die Entsendung von Freiwilligen zur Unterstützung Südossetiens angekündigt; das lässt einen Zweifrontenkrieg auf georgischem Territorium befürchten.
Wladimir Putin, Russlands Premierminister, sprach in der Olympiastadt Peking schon von energischen Gegenmaßnahmen, Präsident Dmitri Medwedew sortiert deren Katalog - es ist die erste Krise in seiner Amtszeit -, unterdessen ruft Georgiens Staatschef Micheil Saakaschwili alle Reservisten zu den Waffen. Es ist jetzt schon mehr als als eine begrenzte Auseinandersetzung innerhalb dessen, was auf den Landkarten Georgien heißt. Es ist Krieg.
Die georgische Regierung hat ein völkerrechtliches Argument auf ihrer Seite: Der Abfall der beiden Regionen und ihre Unabhängigkeitserklärungen sind von keinem Staat anerkannt worden. Daraus leitet Präsident Saakaschwili ab, dass letztlich jede Militäraktion zur Wiederherstellung der staatlichen Einheit legitim sei. So weit, so klar. Dass er aber noch am Donnerstag von Feuereinstellung redete, während der Vormarsch auf Zchinwali - dergleichen wird vorbereitet und geschieht nicht spontan - bereits lief, weist ihn nicht als den ehrlichsten aller Politiker der Region aus.
Die Völker
Die Osseten - Eigenbezeichnung: Alanen - sind ein iranisches Volk und seit dem 5. Jahrhundert im Kaukasus ansässig. Etwa 520.000 leben in Nordossetien (Alanien) und im übrigen Russland, rund 100.000 in Georgien, davon zwei Drittel in Südossetien. Seit 1774 (Norden) beziehungsweise 1801 (Süden) gehörte ihr Siedlungsgebiet zum Russischen Reich, dann zur UdSSR.
Südossetien, seit 1922 autonomer Bezirk in Georgien, erklärte am 20. September 1990 die Unabhängigkeit. Organisator war die sowjettreue KP, die Bindungen an Georgien ablehnte. Die Regierung Georgiens hob die Autonomie auf und setzte Militär ein. Der Konflikt kostete rund 1000 Menschenleben.
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Bomben auf Südossetien
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Krieg im KaukasusEine Rechtfertigung für einen Krieg, der in der Konsequenz die Lebensgrundlagen der darin verwickelten Völker zerstören würde, lässt sich aus alledem nicht ableiten. Doch den unmittelbaren Akteuren und denen im weiteren Hintergrund geht es gar nicht um die kleinen Völker im Kaukasus, ihre alten Traditionen und ihre gegenwärtige Bedrängnis. Da spielen ganz andere Interessen mit; Faktoren gegen eine Friedenslösung. Russland hat sich Abchasiens und Südossetiens immer wieder und nicht ohne eine gehörige Portion Zynismus bedient, um Druck auf Tiflis auszuüben - Saakaschwilis Regierung drängt sich ja energischer in die Nähe der Nato, der EU und letztendlich der USA als ihre Vorgänger.



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