stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Top-News
09. Februar 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Top-News

Kolumne

Denglisch für Anfänger I

Kennen Sie den Incoming-Outgoing-Manager? Vielleicht ist es einfach nur der, der die Post macht!
VON CHARIMA REINHARDT

Anglizismen peppen unser Leben auf, geben ihm Bedeutung, den richtigen Drive eben. Wer ist nicht lieber Manager als Sachbearbeiter? Mehr Schein als Sein: Die Telefonberatung nennt sich Hotline, weiß aber trotzdem nichts, unser Friseur schneidet als Hairstylist kein bisschen besser, die Brötchen aus dem Backshop schmecken so pappig wie immer, der Coffee to go ist eine dünne Plörre; wir aber sind total cool, lassen uns coachen, checken alles, kleiden uns casual.

Es scheint, als fehlten uns in der eigenen Sprache die Worte, so häufig greifen wie auf englisches Vokabular zurück. Als besonders verwerflich gilt Sprachpuristen "Denglisch", eine Mischung aus Deutsch und Englisch, etwa wenn wir ein Programm gedownloaded haben, gecastet worden sind oder einen Flug gecancelt haben. Wer konsequent englische Wörter durch deutsche ersetzen will, braucht Rückgrat, muss in Kauf nahmen, ausgelacht zu werden. Oder haben Sie schon einmal Herrenunterhosen mit kurzem Beinteil (Boxershorts) und einen Überzieher (Pullover) gekauft? Und wer erzählt schon von Wohlbefind-Ferien statt vom Wellness-Urlaub?

Zuweilen sind uns die englischen Ausdrücke geläufiger als die deutschen. Wer liebt kein Happy End? Wer verzichtet auf Babysitter, Shampoo und Chips? Wider den Trend zu immer mehr Englisch im Deutschen kämpft der Verein Deutsche Sprache und ruft den "Sprachpanscher des Jahres" aus. Sieger 2007: Bahnchef Hartmut Mehdorn, weil es Bahnhöfe mit Service-Point (Auskunft), Counter (Schalter) und McClean (Klo) gebe, so die Juroren. Aussichtsreichster Kandidat auf den Titel 2008: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, dem es eingefallen sei, das Brandenburger Tor ausgerechnet an einem Tag der Deutschen Einheit mit englischsprachigen Fahnen (Power for Peace) umwehen zu lassen und - obercool - mit Englisch "Be Berlin" geworben habe. Was tut man nicht alles, um seiner Stadt und sich selbst internationales Flair zu verschaffen…

Auch die Olympischen Spiele in Peking hat der Verein akribisch beobachtet, freilich weniger aus sportlichem Interesse. Vielmehr galt es, den Reporter mit den "überflüssigsten Imponieranglizismen" wie Event, Performance oder Highlight ausfindig zu machen. Wie überhaupt Journalisten für wichtigtuerische Sprachimporte mitverantwortlich sind, etwa wenn der Atomwaffensperrvertrag als Nonproliferationsvertrag in die Zeitung gesetzt wird. Zum Aussprechen, also für Fernsehen oder Hörfunk, ist das schwierige Wort glücklicherweise weniger geeignet. Vollends daneben kann liegen, wer ein hierzulande gebräuchliches Wort im vermeintlichen Ursprungsland verwendet. In den USA kennt niemand ein Handy, auch der Showmaster ist ein unbekanntes Wesen, der Oldtimer heißt vintage car, ein Tramp kann statt eines Anhalters ein Landstreicher sein, und wer glaubt, sich mit dem body bag einen Rucksack zu kaufen, dürfte sich sehr wundern - wenn er einen Leichensack erhält.

Was tun, um der Sprachverhunzung Einhalt zu gebieten? Heute in vierzehn Tagen gehen wir an dieser Stelle zum Gegenangriff über. Wir unterwandern die englische Sprache mit deutschen Wörtern und kreieren selber ein völlig neues deutsches Wort, eines, für das es bisher keinen Ausdruck gibt. Machen Sie mit - mit Ihren Vorschlägen über die Kommentarfunktion.

Charima Reinhardt, freie Autorin, war stellvertretende Sprecherin der rot-grünen Bundesregierung.


Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 25.08.2008 um 14:40:06 Uhr
Letzte Änderung am 25.08.2008 um 22:21:14 Uhr
Erscheinungsdatum 26.08.2008
Kommentare
1. Denlisch Rightschreibung
Ich glaube, dass gedownloaded eigentlich gedownloadet geschrieben werden müsste. Oder heisst es finally vielleicht doch down geloadet ? Alfred.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

2. Denglish
Ich bin ein US- english sprechender Deutscher. Ich stimme Ihnen voll zu und bitte Sie weiterzumachen. Es tut weh sich Leute wie Herrn Mehdorn anhören zu müssen."Up to date" zu sein und meinen man muß vieles "verenglishen" um " up to date" zu sein läßt mich erahnen das diese Menschen weder richtig Deutsch noch English sprechen.
Herzlich Volker Kolz



Pfeil-SymbolVerstoß melden

3. Gähn!
Einen Artikel über "Denglisch" dann gleich mit einem Latinismus anheben zu lassen, ist irgendwie... seltsam.

Lasst die Wichtigtuer doch endlich in Ruhe - all dieses Hochpushen (ähem) von Werbestilblüten führt doch nur dazu, dass diese Wörter sich tatsächlich festsetzen - wirklich benutzen tut die doch fast niemand! Englisch ist im Moment eben mal schick. Vor ein paar Jahrzehnten wars Französisch, davor Latein, devor Griechisch (oder so...). Bald wirds wohl Chinesich sein. Übriggeblieben ist nicht allzuviel, der Rest wächst langsam rein oder tauscht andere Fremdworte aus (wer geht heute noch ins Kontor, wir nehmen halt lieber das Bureau).

Nebenbei: Was ist beim "Friseur" eigentlich weniger fremdsprech als "Hair-Stylist"? Und: Überzieher ist was ganz anderes als Pullover!



Pfeil-SymbolVerstoß melden

4. Denglisch für Anfänger I
MS (??) Reinhardts Artikel ueber die Verhunzung der deutschen Sprache verdient
Lob!
In 1952 nach Kanada ausgewandert, seit etlichen Jahren aber immer wieder Besucher dieser alten wunderbaren Heimat, ist es weniger 'wunderbar' und rein erstaunlich, mit welcher Hingabe man sich der 'Veramerikasierung' der deutschen Sprache heute widmet. Ist es eine Tendenz der meist juengeren Generation, seine Sprache gedankenlos, in fast moerderischer Art zu verachten? Entweder spricht man die eine, wie die andere Sprache, gut oder nicht. Die eine mit der anderen zu mischen, ist weder 'cool', noch widerlich 'geil'.Wieso ist die deutsche strengere Sprachlehre in den Schulen, besonders Gymnasien meiner Zeit in den 40-50ger Jahren, heute so ungemein abgefallen?

Linguistic scandal indeed !



Pfeil-SymbolVerstoß melden

5. Nicht schon wieder ...
Man kann ohno nur zustimmen. Jetzt also die x-te wichtigtuerische Kolumne zum Thema. Richtiger oder logischer werden die zum x-ten mal aufgestellten Behauptungen dabei nicht. Und das "Problem", sollte es denn eins sein, lässt sich auch nicht dadurch lösen, dass man so tut, als würden die beklagten Anglizismen im tatsächlichen Sprachgebrauch wirklich verwendet. Werbesprache ≠ tatsächliche Sprache, aber das fällt jemandem, der Pullover = Überzieher postuliert, wohl schwerlich auf.



Pfeil-SymbolVerstoß melden


Seite 1 von 5 nächste Seite
FR-online.de interaktiv


Alles - außer Englisch: Der neue EU-Kommissar Günther Oettinger braucht Ghostwriter. Wir haben sie.

Blog: Hebel macht Mittag
Hebel bloggt

Stephan Hebel, Mitglied der FR-Chefredaktion, über Ausreißer und Ausreden, Auf- und Abstiege in der politischen Arena

Aktueller Beitrag:
FR aufs Handy
Zum Handy-Angebot der Frankfurter Rundschau

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die FR ist auf dem Handy immer dabei.

Pfeil-SymbolZum mobilen Angebot
Deutschlandwetter




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®