Ferreira Domingos ist 46 Jahre alt und wird heute zum ersten Mal in seinem Leben wählen. Es ging nicht früher: Vor 16 Jahren, als die einzige andere sogenannte demokratische Abstimmung in der 33-jährigen Geschichte Angolas stattfand, war Domingos noch Soldat und hielt sich fern seiner Heimatstadt Luanda auf. "Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl", lacht der pockennarbige Gelegenheitsarbeiter, der in dem am Hafen gelegenen Slum Boa Vista (Schöner Ausblick) lebt: "Ich bin richtig aufgeregt, dass ich mein Kreuzchen auch an die richtige Stelle setze."
Große Auswahl gibt es nicht. Zwar haben sich für die heutige Parlamentswahl 14 Parteien registrieren lassen. Doch nur zwei sind wirklich ernst zu nehmen: Die seit der angolanischen Unabhängigkeit von Portugal 1975 ununterbrochen regierende "Volksbewegung für die Befreiung Angolas" (MPLA) sowie die "Union für die totale Befreiung Angolas" (Unita).
Die Fakten
Wahl: Im einstigen südwestafrikanischen Bürgerkriegsland Angola sind rund 8,3 Millionen Menschen aufgerufen, in einer zweitägigen Abstimmung ein neues Parlament zu wählen. Es ist die erste Wahl seit 16 Jahren in dem ölreichen Staat, in dem 2002 einer der längsten Bürgerkriege des Kontinents mit mehr als einer halben Million Toten endete.
Favorit in der Wahl ist die aus einer Befreiungsbewegung hervorgegangenen Regierungspartei Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) des seit 29 Jahren regierenden Präsidenten José Eduardo dos Santos.
Stärkste Oppositionspartei ist die União Nacional para a Independência Total de Angola (Unita) des 2002 bei einem Gefecht getöteten Ex-Rebellenchefs Jonas Savimbi. Die Unita hatte über massive Repressionen im Wahlkampf geklagt. Das Ergebnis der Wahl wird frühestens kommende Woche erwartet.
Die frühere portugiesische Kolonie ist etwa dreimal so groß wie Deutschland, zählt aber nur 16 Millionen Einwohner. Seit dem Ende des Bürgerkriegs ist Angola auf dem Weg zur Regionalmacht mit hohen Wachstumsraten.
Favorit in der Wahl ist die aus einer Befreiungsbewegung hervorgegangenen Regierungspartei Movimento Popular de Libertação de Angola (MPLA) des seit 29 Jahren regierenden Präsidenten José Eduardo dos Santos.
Stärkste Oppositionspartei ist die União Nacional para a Independência Total de Angola (Unita) des 2002 bei einem Gefecht getöteten Ex-Rebellenchefs Jonas Savimbi. Die Unita hatte über massive Repressionen im Wahlkampf geklagt. Das Ergebnis der Wahl wird frühestens kommende Woche erwartet.
Die frühere portugiesische Kolonie ist etwa dreimal so groß wie Deutschland, zählt aber nur 16 Millionen Einwohner. Seit dem Ende des Bürgerkriegs ist Angola auf dem Weg zur Regionalmacht mit hohen Wachstumsraten.
Dem Augenschein nach wird Domingos auf der Gewinnerseite sein: Das von chronischen Verkehrsinfarkten lahmgelegte Luanda, das einst für 300.000 Einwohner angelegt war, inzwischen aber fünf Millionen Einwohner beherbergt, ist von schwarz-roten MPLA-Fahnen eingehüllt - nur selten ist der schwarze Unita-Hahn zu sehen.
Zur Abschlusskundgebung der Regierungspartei strömten am Mittwoch Hunderttausende Hauptstadtbewohner, um sich mit T-Shirts, Kappen und Freibier eindecken zu lassen. Unita-Chef Isaias Samakuva dagegen musste nur wenige Kilometer entfernt mit ein paar tausend Getreuen vorlieb nehmen.
Das Ungleichgewicht hat seine Gründe, meinen unabhängige Beobachter wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW): Die Regierung habe alles getan, um die Oppositionspartei bereits im Wahlkampf auszuschalten. So erhielt die Unita zwar wie festgelegt eine Million Dollar Wahlkampfunterstützung aus der Staatskasse. Doch gleichzeitig soll die MPLA ihre Kampagne mit 40 Millionen Dollar finanziert haben, die sie widerrechtlich aus einer Staatsbank abzweigte.
Opposition spricht von massiven Einschüchterungen
Ebenso erhielt die Unita zwar den festgelegten Raum für ihre Werbespots im Staatsfernsehen. Doch die Regierungspartei stellte sicher, dass sie selbst nicht nur in ihren Werbespots, sondern auch in den stundenlangen Nachrichtensendungen des Propaganda-Mediums gepriesen wurde.
Auf dem Land soll es außerdem zu massiven Einschüchterungen und vereinzelt gar zu Morden an Oppositionsanhängern gekommen sein: "Von einem freien und fairen Wahlkampf kann leider keine Rede sein", ist Georgette Gagnon, Afrika-Direktorin von Human Rights Watch, überzeugt.
Trotzdem werden wohl selbst die Wahlbeobachter aus Europa und den USA der Abstimmung ein gnädiges Zeugnis ausstellen. Denn solange der Urnengang nicht wieder wie die Wahl vor 16 Jahren direkt zurück in den Bürgerkrieg führt, ist das schon als Erfolg zu werten.
Überraschungen sind bei der Wahl nicht auszuschließen
Auch die Opposition vermeidet es, den unfairen Wahlkampf zum casus belli hochzuspielen: "Auch im Fall einer Niederlage werden wir uns weiter um Frieden und Versöhnung bemühen", sagt Rafael Savimbi, Sohn des berüchtigten Rebellenchefs, der sich um einen Sitz im Parlament bemüht, der Frankfurter Rundschau.
Überraschungen sind allerdings keineswegs auszuschließen: Denn bei der Landbevölkerung vor allem im Süden Angolas hat die Unita große Sympathien. Einer BBC-Umfrage zufolge sollen sich sogar 56 Prozent der Befragten für einen Wechsel der Regierung ausgesprochen haben.
Gründe für die Unzufriedenheit gibt es genug, wie auch Domingos bestätigen kann: Im Slum Boa Vista türmen sich die Abfallberge, Abwasser ergießt sich über die Matschwege zwischen den Blechhütten hindurch, Trinkwasser oder Strom gibt es nur außerhalb der "Schönen Aussicht".



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