Schwerer ist er geworden. Neben dem schlanken Peter Ramsauer fällt das besonders auf. Horst Seehofer - eine massige Gestalt wie einst Franz Josef Strauß, nur gut einen Kopf größer. Und um Längen diplomatischer. "Erwin Huber hat für uns in langer Zeit Großartiges geleistet", sagt der 59-Jährige in Berlin über seinen künftigen Vorgänger.
Der wird als Parteichef mit der kürzesten Amtszeit in die Geschichte eingehen, weil er in den vergangenen zwölf Monaten vor allem eine großartige Niederlage organisiert hat. Aber darüber schweigt Seehofer. "De mortuis nil nisi bene", hätte der begeisterte Altphilologe Strauß gespottet. Auch über politische Leichen nichts Böses!
Stephan Hebel, Mitglied der
FR-Chefredaktion und politischer Kommentator, verteilt seinen Senf zu Ihrem Pausenbrot.
Diesmal: "Kampf um Deutschland im bayerischen Sandkasten" -
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Seehofers Spitze kommt fein, dafür umso hinterhältiger daher: "Die Aufgabe, für die ich jetzt kandidieren werde zum zweiten Mal..." Das erste war vor einem Jahr, am 29. September 2007. Da war er auf einem CSU Parteitag Erwin Huber noch unterlegen.
Die desaströs verlorene Landtagswahl hat die Machtverhältnisse in der CSU durchgerüttelt. Wie sehr, das wird auch am dem Duo deutlich, das sich von Berlin aus anschickt in München die Partei zu regieren. Bei der Entmachtung Edmund Stoibers hielt sich der bundespolitische Arm der CSU noch zurück, beziehungsweise wurde von den Münchnern draußen gehalten.
Landesgruppenchef Peter Ramsauer wurde in die finale Intrige nicht eingeweiht. Nun kehrt er den Spieß um: Er macht den offiziellen Vorschlag für die neue CSU-Spitze und den Spitzenkandidaten bei der Bundestagswahl gleich mit.
Wieviel daran Macht ist und wieviel Sorge, muss sich noch herausstellen. In der CSU-Landesgruppe ist Horst Seehofer bislang nicht gerade "everybody's Darling" gewesen. Selbstsüchtig fanden viele Abgeordnetenkollegen ihn. Dass er im Streit um den Gesundheitsfonds das Amt des stellvertretenden Fraktionschefs hingeworfen hatte, fand man gar nicht lustig.
Aber noch weniger lustig finden die Abgeordneten die Aussicht, dass sie bald keine mehr sein könnten. Keiner, der nicht das Landtagsergebnis auf den Bund hochgerechnet hätte. Also scharen sie sich hinter "den Horst", auf dass er ihr Mandat rette. Die Jüngeren tun das in besonderer Weise.
Ihnen wäre am Liebsten, wenn Seehofer nicht nur Huber, sondern auch Ministerpräsident Günther Beckstein beerbte. Niemand wolle der Landtagsfraktion in München ihr Nominierungsrecht streitig machen, versichert einer von ihnen. Aber Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg sagt auch, es werde Beckstein viel Arbeit kosten bei den Wählern verlorenes Vertrauen zurück zu gewinnen.
Hubers Rücktritt im Wortlaut
"Ich werde beim Parteitag mein Amt als CSU-Vorsitzender zur Verfügung stellen. Bis dahin nehme ich meine Aufgaben in vollem Umfang wahr. Ich gebe damit meiner Partei die Chance für einen personellen Neubeginn an der Spitze.
Ich danke meiner Partei und vielen Parteifreundinnen und Parteifreunden für das Vertrauen und für ihre Unterstützung, die ich in diesem höchsten Parteiamt bekommen habe. In meinen 13 Monaten als CSU-Vorsitzender war es mein Ziel, die CSU stabil und zukunftsfähig zu halten. Sie ist an wichtigen Stellen jünger und weiblicher geworden. Mit dem Steuerkonzept "Mehr Netto für alle" habe ich Impulse im Sinne christlich-sozialer Politik gesetzt, die weit über meine Amtszeit hinaus wirken werden.
Ich bleibe in der politischen Verantwortung und werde nach besten Kräften für Bayern und die CSU arbeiten. Ich danke Ihnen."
Am Dienstagvormittag war Erwin Huber in der CSU-Landesleitung in München vor die Presse getreten, um gefasst und freundlich seinen Rücktritt anzukündigen. Nur ein Jahr lang hatte er sich als Vorsitzender halten können, und er findet, die CSU-Führung sei "an wichtigen Stellen jünger und weiblicher" geworden.
Mit seinem Steuerkonzept "Mehr Netto für alle" habe er im Sinne christlich-sozialer Politik Impulse für die Zukunft gegeben. Huber schloss mit den Worten: "Ich werde weiter in politische Verantwortung bleiben und mit besten Kräften für Bayern und die CSU arbeiten." Er ging, ohne Fragen zu beantworteten.
Ganz allein war Huber diesmal aufgetreten. Ohne seinen Tandempartner Ministerpräsident Günther Beckstein. Und ohne seine Generalsekretärin Christine Haderthauer. Sie wird - so bestätigte hinterher ein CSU-Sprecher - am 25. Oktober ebenfalls aus dem Amt scheiden. Über ihren Nachfolger wird eifrig spekuliert. Häufig zu hören ist der Name des Finanzstaatssekretärs Georg Fahrenschon (40). Er hatte den Einzug in den Landtag über die Landesliste Oberbayern verpasst.
Die oberbayerische CSU, die mit einem Stimmverlust von rund 20 Prozent bei dieser Landtagswahl besonders gebeutelt wurde, hat es Huber und Beckstein noch immer nicht verziehen, dass sie ihren Stoiber davongejagt haben. So kommt auch aus diesem Bezirk die Forderung, dass neben Huber und Haderthauer auf jeden Fall auch Beckstein und der Fraktionsvorsitzende Georg Schmid das Feld an der Spitze der Partei räumen müssen.
Aus Oberbayern soll auch der Vorschlag kommen, Seehofer könne doch gleich beide Ämter übernehmen. Doch das ist wenig wahrscheinlich. Denn Seehofer ist auch in der CSU-Landtagsfraktion, die den Ministerpräsidenten wählt, nicht beliebt. Und Beckstein hatte am Dienstag noch einmal deutlich gemacht: Er denkt nicht an Rücktritt.