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19. März 2010
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Leitartikel über Banken-Verstaatlichung

Das Spiel ist aus

ROBERT VON HEUSINGER

Finanzmärkte sind für ihren Herdentrieb bekannt. Gefährlich wird es, wenn die Herde anfängt zu rennen. Dann bricht Panik aus, dann setzen sich selbstverstärkende Prozesse in Gang und hinterlassen Verwüstungen in der Realwirtschaft. Lebensgefährlich wird es, wenn die Panik in Hysterie umschlägt. Genau an diesem Punkt befindet sich derzeit das globale Finanzsystem. Die Aktienmärkte sind im freien Fall, die Wechselkurse schwanken dramatisch, ganze Währungsräume versinken im Strudel. Überall dort, wo es die Zocker in den vergangenen Monaten übertrieben haben, knallt es. Beim Öl, beim japanischen Yen, bei der isländischen Krone.

Es sind die bittersten Stunden seit 80 Jahren. Niemals seit der Weltwirtschaftskrise haben die kapitalistischen Zentren hysterische Banker und Investoren erlebt. Hysterie aber hinterlässt keine Verwüstungen, Hysterie zerstört das ganze Wirtschaftssystem, zerstört Jobs, Wohlstand und Zukunft.

Deshalb ist die Zeit abgelaufen, mit kleinen Rettungsversuchen, verschämten Verstaatlichungen, dosierten Zinssenkungen oder etwas großzügigerer Kreditvergabe seitens der Zentralbanken um Vertrauen zu kämpfen. Das Spiel ist aus. Der Staat kann mit dem Markt nicht mehr Pingpong spielen in der Hoffnung, so dem Chaos Herr zu werden. Der große Wendepunkt in der Krise war die unverzeihbare Pleite von Lehman Brothers. Sie hat endgültig das Vertrauen in den weltweiten Finanzsektor zerstört. Doch zum Lamentieren ist es viel zu spät. Jetzt hilft nur noch die ganz große Keule, am besten noch in dieser Woche. Es herrscht Notstand.

Die konzertierte Zinssenkung der großen Notenbanken ist eine solch drastische Tat. Sie soll den hysterischen Geldmenschen signalisieren: Die globale Krise wird global bekämpft. Das Signal war überfällig. Doch die Zinssenkung verschafft nur wenige Stunden Luft, bevor die Abwärtsspirale sich wieder beschleunigt. Deshalb müssen die verantwortlichen Politiker jetzt unkonventionell denken und handeln.

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Sie müssen alle 30 oder 50 global systemrelevanten Banken teilverstaatlichen. Die Banken werden, ob sie wollen oder nicht, mit Staatsknete rekapitalisiert. Sprich, der Staat führt den meist viel zu hoch verschuldeten Banken Eigenkapital zu und erhöht somit den Puffer. Im Gegenzug erhält er Vorzugsaktien und weitgehende Eingriffsrechte.

Gleichzeitig garantieren die Staaten für beispielsweise ein halbes Jahr alle Verbindlichkeiten dieser Banken. Um die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, sollten Banken und Börsen für ein paar Tage geschlossen bleiben. All das muss auf dem Treffen der G 7, der großen Industriestaaten, in Washington beschlossen werden. Um die Hysterie in den Griff zu bekommen, müssen die Regierungen eine Lösung präsentieren, die wasserdicht und glaubwürdig ist.

Dazu gehört die Verpflichtung, die Realwirtschaft massiv zu stützen, damit nicht auch sie komplett abschmiert. Das ginge über ein globales Konjunkturprogramm, zu dem sich alle großen Staaten verpflichten. Ebenso müssen die staatlichen Förderbanken den Auftrag erhalten, die Kreditversorgung der Firmen zu übernehmen, solange die Banken zögern. Auch der Handel auf den Devisen- und Kapitalmärkten sollte für eine Zeit lang einschränkt werden, damit die Verwerfung nicht weitere Volkswirtschaften in den Abgrund reißen.

Das alles hat mit freier Marktwirtschaft wenig zu tun. Doch mit jedem Tag, den die Regierenden jetzt noch untätig verstreichen lassen, zerfleischen sich die freien Marktwirtschaften weiter. Die Kosten der Rettung steigen exponentiell. Natürlich bleibt die Frage, ob die Staaten überhaupt in der Lage sind, ihr entfesseltes Bankensystem zu retten. Oder ob Island die Blaupause ist. Island ist wahrscheinlich zu klein, um seine großen Banken zu retten. Der Staatsbankrott droht. Das gilt aber nicht für die G 7, das gilt erst recht nicht für China oder Russland. Voraussetzung ist jedoch, dass rasch und entschlossen gehandelt wird.

Die Wahrheit ist: In letzter Instanz ist der Unterschied zwischen Staat und Markt kaum vorhanden. Am Ende ist alles Staat, am Ende sind es die Steuerzahler, die ihr Geld, ihre Bonität hergeben, damit sie auch morgen noch Geld verdienen können. Alle Wertpapiere, alle Schulden sind nichts anderes als ein Wechsel auf die Zukunft. Sie sind heute immer nur so viel wert, wie wir die Zukunft einschätzen. Damit sie wieder rosig ausschaut, muss der Staat, müssen die Steuerzahler die Macht über die Finanzmärkte zurückerobern.

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Dokument erstellt am 08.10.2008 um 16:52:02 Uhr
Letzte Änderung am 16.10.2008 um 07:33:38 Uhr
Erscheinungsdatum 09.10.2008
Kommentare
1. Das Ende...
Das Ende der Globalisierung. Wer hätte gedacht, das es so schnell kommt? Nun platzt die aufgeblähte Finanzblase, und hinterlässt verschreckte Heuschrecken, die nun um ihre "Anlagen" zittern. Gut so...nur leider wird der letztendlich Leitragende der kleine Mann sein, der die Finanzjongleure mit seinen Steuergeldern und seinem mickrigen Ersparten den Arsch retten muss.

Dr. Frick



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2. soweit wird es nicht kommen
Einer der kaum hörbaren Kommentare, die radikale Maßnahmen fordern. Aber soweit wird es nicht kommen. Dazu sind die Marionetten in den Regierungszentralen nicht fähig. Man wird unvorstellbare Summen in den Abgrund schaufeln, ein paar kosemtische Operatiönchen vornehmen und dann geht der Zirkus wieder von vorne los.



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3. Auf Brueder, zur Sonne...
Wer nach Hysterie such, braucht nur Heusingers Kommentare zum Thema zu lesen. Er scheint geflissentlich uebersehen zu haben, dass Landesbanken in D, oder Freddie Mac und Fannie Mae in USA, die alle im Zentrum dieser Krise standen, quasi verstaatlicht waren. Auch die Forderung nach guenstigen Krediten, und damit Einflussnahme der Politiker, d.h. des Staates, hat im Falle Fannies und Freddies erst die Krise ausgeloest. Nicht mehr, sondern weniger Staat waere in diesem Sinne nuetzlicher gewesen. Gefolgt wurde dies von Gier, auch ausserhalb der USA, die diesen Virus dann den ganzen Globus umkreisen liess.

Jdem das seine. Soll D solchen solizialistischen Parolen hinterherlaufen, und damit das Problem noch vergroessern. Hoffen wir, das der Rest der Welt besonnerer agiert als der Author.



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4. Leider hat Kommentator 2 recht
dem Kommentator 2 muss man leider bestätigen, daß es so kommen wird, denn die Parteien, die dieses Finanzsystem im Auftrag der Wirtschaft installiert haben, wollen sich auch jetzt nicht sagen lassen, sie hätten 10 Jahre falsche Politik betrieben. Das gilt ganz besonders für die Agenda SPD



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5. Bis zum Wochenende ...
... wird es wohl so kommen.

"Also... hm... hört mal her, gaaanz leise.... Ich erzähle Euch jetzt noch ein kleines Geheimnis aus den allerbesten Kreisen. Nicht nur so Provinzstadttratsch, sondern obere 10.000 in Europa. Also, da gibt es eine nicht ganz unbekannte deutsche Familie, die mit einem 2:1-Hebel einen niedrig dreistelligen Millionenkredit zu niedrigen Zinsen aufgenommen, einiges Werthaltige in NichtEuro erworben hat und damit gegen den Euro spekuliert. Laufzeit des Kredits: 2 Jahre. Die Familie kann damit furchtbar auf die Fresse fallen. Aber nicht, wenn man am Wochenende meinem Szenario oder besonders dem von Heusinger folgt.

Fragt nicht. Ihr wollt es nicht wissen. Und falls es rauskommt: Hier stand es zuerst.

"Hier" ist übrigens hier:
http://rebellmarkt.blogger.de/stories/1238459/



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