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Deutschland - England 1:2

Englische B-Elf ist zu stark

VON JAN CHRISTIAN MÜLLER

Puuh, war das gruselig anzuschauen, was die deutsche Mannschaft gestern Abend bei der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen England vor allem in den ersten 45 Minuten dem erzürnten Publikum bot. Sie passte sich damit ganz genau jenem Niveau an, dass diejenigen Fans (von Hertha BSC) vorgegeben hatte, als sie während der sehr schönen englischen Nationalhymne laut pfiffen: Unterste Schublade.

Schon gleich am Anfang ließ sich erahnen, dass Deutschland Probleme gegen Englands B-Mannschaft bekommen könnte, bei der sich als achter Ausfall beim Abschlusstraining auch noch Theo Walcott mit einer ausgekugelten Schulter abgemeldet hatte. In der zweiten Minute hielten Arne Friedrich und Per Mertesacker noch ein Nickerchen, derweil der wuselige Engländer Jermain Defoe allein vor Rene Adler auftauchte. Der deutsche Torwart konnte in höchster Not mit dem Fuß abwehren. Ein Weckruf war das jedoch keinesfalls.

Ganz im Gegenteil: Die hervorragend eingestellten Engländer attackierten die Gastgeber kollektiv an der Mittellinie. Im zentralen Mittelfeld waren Simon Rolfes und vor allem der technisch zu schwache Jermaine Jones überfordert, sich Raum zu verschaffen, links zeigte Piotr Trochowski immerhin gute Ansätze. Ziemlich weit neben sich präsentierte sich Debütant Marvin Compper. Der Hoffenheimer spielte auf der linken Abwehrseite genauso schwach wie einst in der zweiten Liga bei Borussia Mönchengladbach, wo ihm stetige Nicht-Leistungen auf dieser Position einen Stammplatz auf der Tribüne eingebracht hatte. Es bleibt das Geheimnis von Bundestrainer Joachim Löw, weshalb er den 23-Jährigen, der in Hoffenheim starke Leistungen in der Innenverteidigung gezeigt hatte, auf links stellte, wo doch viel besser der Wolfsburger Marcel Schäfer von Beginn an gespielt hätte, statt erst ab der 78. Minute.

Deutschland - England 1:2 (0:1)
Deutschland: Adler (Bayer Leverkusen/23 Jahre/3 Länderspiele - 46. Wiese/Werder Bremen/26/1) - Arne Friedrich (Hertha BSC/29/64 - 68. Tasci/VfB Stuttgart/21/4), Mertesacker (Werder Bremen/24/52), Westermann (FC Schalke 04/25/9), Compper (1899 Hoffenheim/23/1 - 77. Schäfer/VfL Wolfsburg/24/1) - Schweinsteiger (Bayern München/24/62), Jones (FC Schalke 04/27/3 - 46. Marin/Bor. Mönchengladbach/19/4), Rolfes (Bayer Leverkusen/26/17), Trochowski (Hamburger SV/24/18) - Klose (Bayern München/30/87 - 46. Helmes/Bayer Leverkusen/24/9), Gomez (VfB Stuttgart/23/20 - 57. Podolski/Bayern München/23/60).

England: James (FC Portsmouth/38/45 - 46. Carson/West Bromwich Albion/23/3) - Johnson (FC Portsmouth/24/10), Terry (FC Chelsea/27/48), Upson (West Ham United/29/12), Bridge (FC Chelsea/28/32) - Carrick (Manchester United/27/15), Barry (Aston Villa/27/26) - Wright-Phillips (Manchester City/27/22 - 90.+3 Crouch/FC Portsmouth/27/30), Downing (FC Middlesbrough/24/21) - Defoe (FC Portsmouth/26/32 - 46. Bent/Tottenham Hotspur/24/4), Agbonlahor (Aston Villa/22/1 - 77. Young/Aston Villa/23/4).

Schiedsrichter: Busacca (Schweiz).
Zuschauer: 74 244 (ausverkauft).
Tore: 0:1 Upson (23.), 1:1 Helmes (63.), 1:2 Terry (84.).
Gelbe Karten: - Wright-Phillips.
Beste Spieler: Trochowski, Mertesacker - Wright-Phillips, Downing.
Zumal ja rechts in Friedrich auch ein Mann spielte, der im Klub innen verteidigt. Friedrich agierte ähnlich schwach wie Compper. In der Not spielten die Deutschen immer wieder auch hohe Bälle aus der Abwehr heraus, was Löw an der Seitenlinie zunehmend verärgerte, jedoch aufgrund der technischen und taktischen Unterlegenheit unvermeidlich war. Zudem zeigten im Angriff sowohl Mario Gomez als auch Miroslav Klose zu wenig Engagement, zudem spielten sie im Pressing zu viel Foul, rechts hing Bastian Schweinsteiger oft ohne Bindung zum Spiel.

Auf der anderen Seite fiel durch einen Standard der Führungstreffer für die Gäste, die zuvor bei sieben Auftritten gegen Deutschland in Berlin niemals verloren hatten. Eine Ecke von Stewart Downing unterlief Torwart Rene Adler, der sich von Defoe unfair behindert fühlte. Aber Schiedsrichter Massimo Busacca aus der Schweiz lag richtig mit seiner Einschätzung, dass ein derart harmloses Vergehen im internationalen Spitzenfußball nicht zu ahnden ist. Also konnte Abwehrspieler Matthew Upson in der 24. Minute das verdiente 1:0 erzielen.

Kurz vor der Pause, in die die Deutschen mit vielen Pfiffen geschickt wurden, verhinderte Adler bei einem Schuss von Downing mit seiner letzten Aktion das 0:2, ehe er durch den Debütanten Tim Wiese ersetzt wurde.

Löw reagierte richtig, brachte für Jones den viel besseren Mönchengladbacher Marko Marin und beförderte Schweinsteiger in die Zentrale. Vorn ersetzte Patrick Helmes den schwer enttäuschenden Käptn Klose, für den dann Schweinsteiger die Binde trug, und bald auch Lukas Podolski für den ganz schwachen Gomez. Es zeigte sich dennoch, dass Deutschland nicht auf seine beiden einzigen Weltklassespieler Michael Ballack und Philipp Lahm verzichten kann, ohne das sich dies stark bemerkbar macht. Und doch: Nachdem der eingewechselte Darren Bent in der 62. Minute das leere Tor nicht getroffen hatte, nutzte Helmes eine Minute später ein Missverständnis zwischen John Terry und Ersatztorwart Scott Carson zum unverdienten 1:1. Die Deutschen machten danach mehr Druck. Ein weiteres Tor für die DFB-Elf allerdings wäre an diesem tristen Novemberabend geradezu grotesk gewesen. Stattdessen traf erst Shaun Wright-Phillips im einsetzenden Regen nur den Pfosten. Und John Terry machte mit seinem Sieg-Tor (84.) zum 2:1 sein Missgeschick beim Ausgleich mehr als wett.


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Dokument erstellt am 19.11.2008 um 22:48:01 Uhr
Letzte Änderung am 19.11.2008 um 23:08:55 Uhr
Erscheinungsdatum 20.11.2008
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