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Skandal bei der LBB

Gigantisches Datenleck

VON MATTHIAS THIEME

Nach Informationen der Frankfurter Rundschau ist die Landesbank Berlin (LBB) von einem gigantischen Datenverlust betroffen. Weil es sich bei der LBB um den größten Kreditkarten-Vergeber Deutschlands handelt, sind auch viele Kunden anderer Banken in Mitleidenschaft gezogen.

So liegen der FR detaillierte Kreditkartenabrechnungen Zehntausender Kunden verschiedener Geldinstitute quer durch die Republik vor. Lesbar sind Vor- und Nachname der Kunden, Adresse, Kreditkartennummer, Kontonummer und jede einzelne Bezahl-Aktion mit dazugehörigem Betrag.

Auch Auslandsbuchungen, Rücküberweisungen und die kompletten Zahlungsabwicklungen zwischen Firmen und Banken sind nachvollziehbar. Die Daten stammen aus diesem Jahr, viele Auflistungen bilden die Einkäufe der Kunden im August 2008 ab.

Die LBB gibt auch Kreditkarten für andere Banken aus. Die Bankleitzahlen der Institute liegen der FR ebenfalls vor. Da es sich um eine Art Hyper-Datensatz der Landesbank handelt, sind verschiedenste Kreditkartentypen betroffen.

Unter anderem die Karten ADAC Gold-Mobil-Doppel, Amazon Visa, White Lable Premium, ADAC Classic Mobile Master, ADAC Classic mobile Visa, Schmetterling Premium, Visa Geschenkkarte, ADAC Gold Mobile Master ADAC Gold Doppel, LBB Classic Eurocard, LBB WBI Classic Card, Xbox Classic Card, ADAC Einstieg Visa.

Aufgezeichnet sind die Daten, die der FR anonym per Post zugespielt wurden, auf Mikrofiches - durchsichtigen Folien, die je Tausende Daten speichern können. Hunderte dieser Mikrofilme liegen der FR vor, ebenso Geheimnummern (Pin) für Kreditkarten von Kunden.

"Das ist ein Skandal erheblichen Ausmaßes", sagte der Berliner Datenschutzbeauftragte Alexander Dix der FR. "Die Ermittlungsbehörden müssen tätig werden." Dass Mikrofiches durch die Gegend geschickt würden, halte er für "äußerst ungewöhnlich", sagte Dix. "Das ist eine Speichertechnologie des vergangenen Jahrhunderts."

Ob Sicherheitsvorschriften verletzt wurden, müsse jetzt geklärt werden. "Sollte sich hier strafbares Verhalten herausstellen, werden wir die Landesbank einer Prüfung unterziehen", so Dix. "Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um das aufzuklären."

Auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, ist alarmiert. "Die Vielfältigkeit und Aktualität der Datensätze ist unvorstellbar", sagte sein Sprecher am Freitag. "So etwas hätte ich nicht für möglich gehalten." Jetzt stelle sich die Frage, wo die Daten noch gelandet sein könnten. "Denkbar ist, dass das gleiche Paket jemandem zum Verkauf angeboten wurde", so der Sprecher.

Schaar sei überrascht, dass die Landesbank solche Datenmengen auf Mikrofiches speichere. "Das ist ein starkes Stück", so der Sprecher. "Das entspricht nicht den aktuellen Sicherheitsvorschriften."

Nach FR-Informationen stammen die Mikrofiches von der Firma AtosWorldline, die für die Landesbank die Abrechnungen erstellt und eine Filiale in Frankfurt hat. "Wir arbeiten mit diesem Unternehmen zusammen", bestätigte ein LBB-Sprecher. "Von dem Datenverlust ist bislang nichts bekannt. Wir nehmen das aber sehr ernst." Eine Atos-Sprecherin sagte: "Das überrascht mich, wir prüfen, was passiert ist."
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Dokument erstellt am 12.12.2008 um 17:48:02 Uhr
Letzte Änderung am 14.12.2008 um 10:53:48 Uhr
Erscheinungsdatum 12.12.2008
Kommentare
1. Qualität der Berichterstattung
Sehr geehrter Herr Thieme,
als ich die Schlagzeile der FR gesehen habe, dachte ich im ersten Moment an einen Einbruch (elektronisch) in das Rechenzentrum der LBB. Bei weiterem Lesen fiel mir auf, das Sie von einem einfachen Diebstahl sprechen. Die Art und Weise wie hier berichtet wird erinnert mich sehr an die BILD Zeitung und paßt nicht zu einer Zeitung wie die FR. Als langjähriger Leser muß ich sagen - einen so schlecht recherchierten Aufmacher habe ich schon lange nicht gelesen. Nicht nur, daß Sie hunderte von Kreditkarteninhabern verunsichern, sondern auch noch gezielt unpassende Aussagen von Experten verbreiten. Sie lassen den Leser vollkommen im Unklaren welche Fragen Sie diesen Experten stellen um daraus Kapital zu schlagen. Serios ist das nicht!



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2. Chapeau!
Glückwunsch, liebe FR-Redaktion, zu dieser rundum gelungenen Story. Damit haben sie sich zweifellos wieder ein Stück von seriösem Journalismus entfernt und können sich mit gutem Recht in die Ecke der Marktschreier stellen. Offensichlich waren sie von Ihrer Daten-GAU-Schlagzeile so geblendet, dass sie das Leser-Bedürfnis nach - gerade bei dieser Materie - sicheren Fakten ganz aus dem Auge verloren. Hinzu kommt, dass der Autor seine Geschichte bedauerlicherweise frei von jeder Sachkenntnis im Kreditkartengeschäft zusammengebastelt hat. Chapeau zu diesem Mut!



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3. Eine wundersame Wandlung
Bei der Entwicklung um den Fall der verlorenen Kreditkarten-Daten drängt sich die Geschichte vom Elefanten und der Maus geradezu auf: Am Samstag noch war in der FR von einem "Gigantischen Datenleck" die Rede, gestern schon war der Fall zu einem "Datenklau" geschrumpft und nach Ihrer letzten Meldung zu diesem Fall geht die Polizei nicht einmal davon mehr aus. Also fabulieren Sie munter von einem "Datenskandal".

Ein Skandal liegt zwar im Auge des Betrachters und die Grenze zwischen "legitimer Empörung" und "künstlicher Aufgeregtheit" ist oft fließend - in diesem Fall aber dürfte es sich doch um letzteres handeln.



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