Der Angeklagte wirkt angespannt. Als sein Anwalt Dirk Waldschmidt sich wegen eines defekten Mikrofons umsetzen muss und direkt neben dem 19-Jährigen Platz nimmt, scheint es fast, als tue er dies aus Fürsorge um seinen zerbrechlich wirkenden Mandanten.
Schwer zu glauben, dass sich der junge Mann im bunten Pulli wegen eines brutalen Überfalls auf ein Zeltlager der Linksjugend "Solid" verantworten muss. Ein Überfall, den Kevin S. am Mittwoch vor dem Landgericht Kassel freimütig einräumt und der ihm eine Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, vielleicht sogar wegen versuchten Mordes einbringen könnte.
Der Prozessbeginn findet unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Zuschauer, darunter Anhänger der links-autonomen Szene, aber auch Medienvertreter werden akribisch durchsucht, ihre Handys vor dem Gerichtssaal eingesammelt.
Die Verhandlung selbst verläuft unspektakulär. Sachlich schildert der Angeklagte, der zur rechtsextremen Kameradschaft "Freie Kräfte Schwalm-Eder" gezählt wird, in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung den Angriff auf das linke Sommercamp. Allerdings stellt er den Vorfall als gänzlich ungeplant dar.
Der Überfall
... fand am 20. Juli dieses Jahres in den frühen Morgenstunden statt. Die verletzte 13-Jährige leidet seither an Angstzuständen. Sie und ihr Stiefbruder werden voraussichtlich am 22. Dezember vor dem Landgericht Kassel aussagen. Beide sind Nebenkläger.
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich nur gefährliche Körperverletzung angeklagt, weil sie nicht von einem Tötungsvorsatz ausging. Das Landgericht Kassel hält jedoch auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes für denkbar. Mögliche "Mordmerkmale" seien Heimtücke und niedere Beweggründe.
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Ein Rechtsradikaler vor Gericht
Die Staatsanwaltschaft hatte ursprünglich nur gefährliche Körperverletzung angeklagt, weil sie nicht von einem Tötungsvorsatz ausging. Das Landgericht Kassel hält jedoch auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes für denkbar. Mögliche "Mordmerkmale" seien Heimtücke und niedere Beweggründe.
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Ein Rechtsradikaler vor Gericht
Während der junge Mann mit Prellungen und Schürfwunden davonkommt, richtet die Glasflasche bei seiner Schwester verheerende Verletzungen an. Mit einer Gehirnerschütterung wird sie ins Krankenhaus gebracht, aber bald in eine Spezialklinik verlegt. Angstzustände habe sie bis heute, sagt der Staatsanwalt.
"Reichlich Alkohol getrunken"
"Mir war klar, dass ich jemandem wehtun würde", meint der Angeklagte gestern, der von sich selbst behauptet, "in der Regel gegen Gewalt" zu sein. Keinesfalls habe er gezielt die Köpfe der Opfer treffen wollen. "Es tut mir leid", heißt es in seiner Stellungnahme.
Die Tat könne er sich nur damit erklären, dass er zuvor reichlich Alkohol getrunken habe: "Nüchtern hätte ich das nie gemacht." Dass politische Motive, nämlich der Hass auf Andersdenkende, eine Rolle gespielt haben könnten, weist er von sich. "Rein ideologisch hatte ich nichts gegen die Leute", sagt er. Im Gegenteil habe er sogar Kontakte zu linken Jugendorganisationen. "Wir denken sozialistisch und ,Solid' und andere linke Gruppierungen tun das auch, es gibt Gemeinsamkeiten", betont er.
Ein paar Nachfragen hat der Richter da aber doch. Warum hat man das Lager ausgespäht und fotografiert, wenn gar nichts geplant gewesen sei? Warum hatte der Angeklagte in der Sommernacht Handschuhe dabei und sich mit Mütze und Sonnenbrille getarnt? Und widerspreche eine SMS mit "Alter, war das geil!" nicht der angeblichen Reue?
Diese sei erst später gekommen, sagt der Schüler. Als er vom Zustand des Mädchens gehört habe, habe er "ziemlich Heulgefühle" bekommen und deshalb nach der Festnahme alles gestanden. Und die schwarze Kluft? "Ach, das machen wir doch immer, beide Seiten."



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