Es wird nicht leicht werden für Roland Koch bei den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen ab Montag im Kloster Eberbach. Vor allem eine Personalie sorgt weiter für Kopfzerbrechen: Minister Volker Hoff und seine geschäftlichen Verstrickungen. Ungern lässt Roland Koch alte Partei-Freunde fallen, doch im Problem-fall Hoff könnte es unvermeidlich werden.
Schon melden sich sogar aus der CDU kritische Stimmen, die den umstrittenen Minister nicht mehr für tragbar halten. Offen meldet sich noch niemand zu Wort, doch der Unmut wächst bei den Konservativen. Auch unter dem Druck der starken FDP, die Hoffs Platz für sich beanspruchen könnte, muss Koch vielleicht bald Abschied nehmen von seinem alten Kumpel Volker Hoff.
Der umtriebige Minister versucht derweil, Normalität zu simulieren. Hoff weiß, dass er angezählt ist - längst auch in seiner politischen Heimat, der sonst unter Parteifreunden eisentreuen Hessen-CDU. Doch Hoffs frühere Geschäfte erinnern selbst dort zu Viele an unrühmliche Zeiten, als der Name der CDU nicht mehr für Fortschritt und Wirtschaftskompetenz, sondern für Schwarzgeld und Kriminalität stand.
Rund neun Millionen Euro flossen von der großen Werbeagentur Aegis ohne ersichtlichen Rechtsgrund in Volker Hoffs ehemalige Firma ZHP (siehe Grafik).
Dabei funktionierte die ehemalige Firma des Ministers aus Sicht der Staatsanwaltschaft wie ein Verschiebebahnhof für große Summen illegaler Geldflüsse. Hoffs ehemalige Firma ZHP war aus Sicht der Ermittler neben ihrem legalen Geschäftsbetrieb eine Art Geldwasch-Anlage für hochkriminelle Aktivitäten. Und mitten drin, als Geschäftsführer dieser Firma, saß: Volker Hoff, der sich heute an all dies nicht mehr genau erinnern möchte, aber zur Zeit der fragwürdigen Aktivitäten ausgerechnet für die Kontrolle der Finanzen zuständig war. Sechs Millionen Euro verschwanden von Hoffs ehemaliger Firma ZHP über diverse Tarnfirmen im Privatvermögen von Aegis-Managern wie Aleksander Ruzicka, die mittlerweile angeklagt wurden.
Doch wo der Differenzbetrag von rund 3 Millionen Euro geblieben ist, versucht die Staatsanwaltschaft noch zu ermitteln. Tatsache ist: Auf dem Weg von der Agentur Aegis über Hoffs ehemalige Firma ZHP zu den Privatkonten der Angeklagten sind rund drei Millionen Euro verschwunden. Der Preis für die Geldwäsche? Reine Spekulation, sagt die Staatsanwaltschaft und wühlt sich weiter durch Hunderte Akten-Ordner.
Akten, die für Hoff noch viel Zündstoff bergen könnten. Denn weitere sechs Millionen Euro sind nach Aussage seines ehemaligen Partners Reinhard Zoffel direkt in die Firma "Best of AG" geflossen, die ihren Sitz ausgerechnet im Haus von Volker Hoffs Mutter, Leipziger Straße 1, in Mühlheim hat. An dieser Firma war der Erfinder des kriminellen Systems, Aleksander Ruzicka, indirekt beteiligt. "Wir werten die Unterlagen der Best of AG aus und prüfen eine strafrechtliche Relevanz", sagt der Sprecher der Wiesbadener Staatsanwaltschaft, Hartmut Ferse.
Die Firma "Best of " machte zusammen mit Hoffs anderer Firma "ZHP Bozen" auch in Südtirol Geschäfte. So war sie im Wahlkampf 2003 für die Südtiroler Volkspartei und deren Spitzenkandidat Thomas Widmann tätig und erhielt in der Folge lukrative Aufträge der Südtiroler Landesregierung. Auch in Südtirol hat der Fall Zoffel Hoff schon einigen Wirbel ausgelöst. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelt, Abgeordnete stellen Anfragen. Es gibt auch dort viel zu klären für Volker Hoff - ob er nun Hessischer Europaminister bleibt, oder nicht.