Rom. Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel hat entsetzt auf die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. reagiert, einen Holocaust-Leugner im Bischofsrang zu rehabilitieren. Damit habe Benedikt "der vulgärsten Erscheinung des Antisemitismus" Glaubwürdigkeit verliehen, sagte Wiesel am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.
Er frage sich, was der Papst sich bei der Entscheidung gedacht habe, sagte Wiesel. Es sei beunruhigend, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche wissentlich so weit gegangen sei. "Das Ergebnis der Entscheidung ist einfach: Einem Holocaust-Leugner Glaubwürdigkeit zu verleihen, bedeutet, dass es uns Juden gegenüber an Feingefühl fehlt", sagte Wiesel, der die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt hat.
Eine unwissentliche Entscheidung des Papstes schloss Wiesel aus: "Oh nein! Die Kirche weiß, was sie tut, besonders auf der Ebene des Papstes, diesen Mann wieder aufzunehmen. Sie wissen, was sie tun, und sie taten es absichtlich. Ihre Absichten kenne ich aber nicht." Es sei nicht an ihm, einen Rat zu geben, wie die Dinge wieder in Ordnung gebracht werden könnten. "Der Vatikan hat die Situation herbeigeführt. Nun muss er sie auch lösen."
"Solidarität mit den Juden"
Papst Benedikt XVI. hat sich nachdrücklich gegen eine Leugnung des Holocaust gestellt und seine volle Solidarität mit den Juden bekräftigt. Die Vernichtung der Juden sei "ein Mahnmal gegen jedes Vergessen und Leugnen", sagte der Papst am Mittwoch während der Generalaudienz in Rom. Er verurteile "die gnadenlose Ermordung von Millionen Juden". Der Holocaust dürfe nicht geleugnet oder relativiert werden, sagte Benedikt, ohne Williamson beim Namen zu nennen.
Benedikt forderte gleichzeitig die traditionalistische Bruderschaft Pius X., der Williamson angehört, auf, das Zweite Vatikanische Konzil anzuerkennen. Ein Ergebnis dieses Konzils war es gewesen, den Dialog der katholischen Kirche mit dem Judentum voranzutreiben und jede Form von Antisemitismus zu bekämpfen. Die Bischöfe sollten "die notwendigen Schritte tun", um wieder voll im Einklang mit der Kirche zu stehen, verlangte der Papst.
Der Heilige Stuhl hoffe, auch angesichts der Stellungnahme des Papstes, seinen Dialog mit der jüdischen Seite fortsetzen zu können, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.
Pius-Brüder gehen auf Distanz
Hebel macht Mittag

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Joseph Ratzinger - Papst Benedikt XVI.
"Wir bitten den Pontifex und alle gutwilligen Menschen um Vergebung für die dramatischen Folgen dieser Tat", heißt es demnach in dem von dem Leiter der Bruderschaft, Bernard Fellay, unterzeichneten Brief.
"Die Äußerungen von Herrn Williamson spiegeln in keiner Weise die Überzeugungen unserer Priesterbruderschaft wieder", daher sei ihm bis auf weiteres jede Art Kundgebung zu politischen oder historischen Fakten untersagt worden.



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