Sie kriegen die Tür nicht auf. Drei Männer in Uniformen – ein Polizist und zwei Forstbeamte – versuchen, das Holztor mit Brecheisen aufzustemmen. Vergeblich. Bis ein Gabelstapler dagegenrumpelt. Die Hütte wackelt, die Tür bricht auf, ein knappes Dutzend behelmte SEK-Polizisten prescht hinein. Sekunden später schleppen sie einen jungen Mann heraus. Ab in den Gefangenenwagen, vorbei an einem großen Aufgebot an Polizei und Security.
"Marionetten von Fraport seid ihr", schallt es ihnen von den umliegenden Bäumen herab entgegen, auf die einige Aktivisten geklettert sind, nachdem sie vom bevorstehenden Polizeieinsatz im Waldcamp erfahren haben.
Einer der Bewohner hat sich zudem am frühen Morgen in der Forsthütte auf dem sogenannten Pflanzgarten der Stadt Kelsterbach verschanzt und den Eingang von innen mit Brettern, Metallstangen und Riegeln verbarrikadiert. Nach der Erstürmung wird er festgenommen, jedoch am Nachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt. Allerdings hat er jetzt ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung am Hals. Fortan darf er sich nicht mehr aufhalten auf dem Rodungsgelände der Nordwestlandebahn, auf dem das Camp liegt.
Und das ist seit gestern etwa zehn Prozent kleiner. Die Sperrgitter wurden verschoben, der Pflanzgarten und die dortigen Forstschuppen vom Camp getrennt. Wohl auch, weil die Besetzer seit einigen Tagen das Hauptgebäude zum Übernachten genutzt hatten. Zudem habe die Fraport die Fläche des Camps "großzügig umstellt", als sie Mitte Januar den Bauzaun errichten ließ, sagt Polizeisprecher Jürgen Linker. Nun habe sie veranlasst, "ein Stück umzuziehen". Was für entsprechende Proteste sorgt. "Die einzige, die hier Waldfriedensbruch begeht, ist die Fraport", ruft jemand.
Immer wieder versuchen Ausbaugegner, die neuen Gatter aus der Verankerung zu ziehen und umzukippen. Die Polizei schreitet ein, beschwichtigt per Megafon: "Bleiben Sie friedlich." So verläuft es auch weitgehend. Lediglich ein paar Eier und Äpfel fliegen.
Doch es fließen auch Tränen. Julia, Paula und Sophia kauern weinend auf dem Waldboden und halten sich in den Armen. "Heute Nacht haben wir noch in der Forsthütte geschlafen." Viel schlimmer aber finden sie, dass sie wieder einer weniger sind. Etwa 25 Aktivisten leben derzeit im Camp.
Ausbaugegner Sascha Friebe spricht von einer "Räumung auf Raten". Möglicherweise könnte schon nächste Woche Schluss sein mit dem Wohnen im Wald, der fast nur noch auf dem Camp-Gebiet existiert. Die 250 Hektar drumherum sind nahezu komplett abgeholzt. Zum genauen Räumungstermin kann Fraport-Sprecher Klaus Busch nichts sagen. "Ich mutmaße aber, dass noch im Februar die Fläche des Camps frei sein soll." Aus naturschutzrechtlichen Gründen dürfen vom 1. März an keine Bäume mehr fallen. Fraport könnte dann erst im Herbst weiterroden.


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