In den Medien gilt sie mindestens als "Milliardärin", vorzugsweise aber als "Multimilliardärin". Mit einem Hauch von Ehrfurcht wird die Liste der angeblich Reichsten zitiert, auf der sie in Deutschland auf Platz 22 steht, in Österreich sogar auf Platz drei.
Sie hat zwei Staatsbürgerschaften. Mehr als vier Milliarden Euro soll sie diesen Bestenlisten des großen Geldes zufolge besitzen. Und weil Maria-Elisabeth Schaeffler davon hin und wieder einen überschaubaren Betrag fürs Soziale, Künstlerische oder sonstwie Gute zu spenden bereit war, wurde sie hofiert und mit Orden dekoriert: vom Bundespräsidenten, vom Oberbürgermeister, vom Landrat, von der Industrie- und Handelskammer. Eine Vorzeige-Unternehmerin.
Die Witwe aus Herzogenaurach, die aus dem Schatten ihres verstorbenen Mannes getreten ist. Eine Erfolgsfrau, die nicht nur das Erbe verwaltet, sondern die unternehmerische Zukunft gestaltet.
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Kein Zahnrad bei FAG Kugelfischer, kein Autoreifen bei Conti, der faktisch nicht längst den Banken gehören würde. Schaefflers Imperium wird ohne Hilfe von außen in Kürze die Löhne der Beschäftigten nicht mehr bezahlen können, die Zinsen auf die Schulden nicht, die Rechnungen der Lieferanten auch nicht. Helfen soll nun der Staat, mit Krediten, mit Bürgschaften, vielleicht mit einer direkten Beteiligung.
Warum eigentlich? Weil eine Unternehmerin sich übernommen hat? Die 67-Jährige hat zuletzt den Reifenhersteller Conti gekauft, nach einer dramatischen Übernahmeschlacht und natürlich auf Pump. Conti, ein Dax-Konzern, hatte zuvor den Autozulieferer VDO gekauft und ist dreimal so groß wie Schaeffler bis dahin allein war. Eine risikoreiche Angelegenheit also, das wusste man vorher.
Dann kam die Finanzkrise und der Börsenkurs von Conti stürzte in den Keller, die Automobilkonjunktur geriet weltweit ins Stottern. Man kann das Pech nennen. Oder Leichtfertigkeit. Jedenfalls hat Marie-Elisabeth Schaeffler, offenbar von den falschen Leuten beraten, falsche Entscheidungen getroffen. Es ist nicht Aufgabe des Staates, unternehmerische Fehlentscheidungen auszubügeln.
Aber die Arbeitsplätze! 70.000 Menschen verdienen allein in Deutschland in den Firmen des fränkischen Konzerns ihren Lebensunterhalt, mehr als 200.000 sind es weltweit. 8000 von ihnen haben kürzlich in Herzogenaurach für ihre Chefin demonstriert und "die Schaefflerin" zu Tränen gerührt.
Daraufhin ist sie nach Frankfurt zur IG Metall gefahren, schlicht gekleidet, wie es sich in diesen Kreisen gehört, und hat der Gewerkschaft die Mitbestimmung angeboten. Seitdem findet auch der Arbeiterführer Huber, Schaeffler sei ein besonders schützenswertes Unternehmen. Systemisch wichtig, sagt man heutzutage. Wie die Hypo Real Estate. Oder Opel. Schon wieder eine Legende.
Wenn, zum Beispiel, Conti im Kern gesund ist, was jetzt allgemein behauptet wird, wenn Kugelfischer im Kern gesund ist, wenn die anderen Schaeffler-Fabriken solide wirtschaften, dann wird es diese Unternehmen auch künftig geben. Es gab Conti und Kugelfischer ja auch vorher, ohne Frau Schaeffler und ihren Sohn, der Mit- und sogar Mehrheitseigentümer ist, aber kein Unternehmer.
Entweder übernimmt ein Insolvenzverwalter das Kommando. Dann wird er die Geschäfte weiterführen und für die Betriebe nach und nach neue Partner suchen. Da wird nichts auseinandergerissen, was zusammengehört, wie bei Opel. Denn Schaeffler ist ein Sammelsurium ohne inneren Zusammenhang. Oder die Banken werden die Insolvenz vermeiden, ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln und dann neue Eigentümer suchen.
Sie werden bei dieser Aktion nicht ungeschoren davonkommen. Aber warum sollten sie? Auch sie haben sich verzockt. Und die Commerzbank, die in der vordersten Reihe der Gläubiger steht, haben wir Steuerzahler sowieso schon unter unseren Schirm genommen.
Also: Schaeffler retten, heißt nicht Arbeitsplätze sichern. Schaeffler retten, heißt einer gescheiterten Familie das Vermögen retten. Als wäre es wichtig, dass die Schaefflers aus Herzogenaurach ihre Plätze auf der Reichen-Liste behaupten. Ist es aber nicht.


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