Herr Wallraff, Sie schreiben, die Bahn sei mit sehr fragwürdigen Methoden gegen ihre Mitarbeiter vorgegangen, habe Angestellten Pornos und Hitlers "Mein Kampf" auf ihre Computer gespielt, um besser kündigen zu können – haben Sie da nicht etwas dick aufgetragen?
Ich habe sehr sorgfältig recherchiert und zitiere aus eidesstattlichen Erklärungen der Betroffenen.
Nach Ihren Recherchen sprechen wir im Daten-Skandal bei der Bahn nicht mehr über eine aus dem Ruder gelaufene Korruptionsbekämpfung, sondern über sehr viel weitergehende Aktionen des Konzerns...
Es ist bei der Bahn ein Überwachungssystem und ein Begünstigungssystem entstanden, wo mit Zuckerbrot und Peitsche der Hofstaat zum parieren gebracht wurde. Einerseits wurden enorme Vergünstigungen und Tantiemen ausgeschüttet – Mehdorn selbst hat sich ja von 750.000 D-Mark jährlich auf zuletzt 1,8 Millionen Euro hochgehievt – Andere wiederum wurden als Abweichler und Kritiker der Privatisierung angesehen und eingeschüchtert. Diese Mitarbeiter fühlten sich bespitzelt und haben sich wirklich wie in einem totalitären Regime verhalten: die haben jemanden vorgeschickt, wenn sie sich privat trafen und prüften, ob ihnen niemand hinterher war. Autos durften nicht in der Nähe parken, wenn sie sich zu Hause besuchten, sondern einige Straßenzüge weiter. Das waren private Treffen von führenden Mitarbeitern der Bahn, die sich vor dieser Überwachungs- und Bespitzelungsmentalität ihres Konzerns fürchteten.


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