Bangkok. David Carradine ist für Film- und Fernsehfans für immer mit der Figur des Kung-Fu-Kämpfers Kwai Chang Caine verbunden. Seiner Paraderolle spielte er zunächst 1972-75 in der US-Fernsehserie "Kung Fu" - die Geschichte eines Shaolinmönches, der vor den Soldaten des Chinesischen Kaisers durch das Amerika der Wildwestzeit flieht.
Fernöstliche Kampfkunst und Glückskeks-Weisheiten gegen das hirnlose Geballer von Revolverhelden - das war eine neue Idee, die das Publikum in Scharen vor die Mattscheibe lockte und auch international Millionen Zuschauer begeisterte.
Die Rolle seines Lebens brachte Carradine diverse Ehren - für sieben Emmy-Awards wurde die erste Staffel von "Kung Fu" nominiert, darunter der Preis für die beste Hauptrolle. Später erhielt er in Cannes einen Publikumspreis.
Seine Kung-Fu-Rolle haftete dem studierten Komponisten, der erst während des Musikstudiums seine Liebe zur Schauspielerei entdeckte, danach zeitlebens an. Er fügte sich und lernte tatsächlich asiatische Kampfkunst, vertiefte sich in fernöstliche Lehren.
Als einsamer Kämpfer war er in den vergangenen 30 Jahren immer wieder auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu erleben. Im Spielfilm "Kung Fu" von 1986, in der Nachfolge-Serie "Kung Fu - The Legend Continues" (1993-97, nochmal 83 Folgen), und natürlich schwang das Image des mysteriösen Martial-Arts-Spezialisten auch mit in Quentin Tarantinos epischem Gemetzel "Kill Bill" (2003/2004).
Mehr als 100 Filmrollen spielte Carradine, dazu Charaktere in einigen Dutzend TV-Filmen und zahlreiche Bühnenrollen - am Broadway ebenso wie in kleineren Theatern. Für das Kino arbeitete er mit Regisseuren wie Ingmar Bergman, Martin Scorsese und Hal Ashby zusammen. In der TV-Serie "Fackeln im Sturm" war er in den 80er Jahren als Bösewicht Justin LaMotte zu sehen.
Daneben hat er sich weiterhin der Musik gewidmet - Carradine komponierte etwa 60 Stücke diverser Genres und sang für die Scores einiger Hollywoodfilme.
Am 8. Dezember 1936 wurde er in Hollywood geboren als älteste Sohn des legendären Schauspielers John Carradine. Er wurde Teil einer weitverzweigten Künstlerfamilie Dazu zählten seine Brüder Keith Carradine, Robert Carradine und Michael Bowen ebenso wie seine Töchter Calista Carradine und Kansas Carradine.
Zuletzt lebte Carradine in Los Angeles mit seiner fünften Ehefrau Annie Bierman und vier Kindern. Am Donnerstag fand man den 72-Jährigen erhängt in einem Hotel in Bangkok, wo er sich zu Dreharbeiten aufhielt.
Nach Medienberichten soll eine Hotelangestellte ihn mit einer Gardinenkordel um den Hals gefunden haben. Schon zuvor war er nicht zu einem Abendessen mit Kollegen erschienen, die ihn auch telefonisch nicht erreichten. Die US-Botschaft und sein Manager Chuck Binder bestätigten seinen Tod. "Es ist ein Schock", sagte Binder laut BBC. "Er war voller Leben, er wollte immer arbeiten. (...) Ein großer Mann."