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19. März 2010
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Friedberg/Nidda

NPD-Aufmarsch im Keim erstickt

Von Carsten Praeg

Schottenrock tragende Punks neben ganz normalen Hemdträgern, selbst gemachte Transparente neben Gewerkschaftsfahnen. Ein bunt gemischtes Volk hat sich vor dem Friedberger Bahnhof eingefunden, andere marschieren zur Karlsbader Straße, um diese zu blockieren. Hier eine Bühne mit Musikbands, dort ein alter VW mit Lautsprechern auf dem Dach. Gegendemo als Voksfest.

150 NPD-Anhänger wollten am Samstag in Friedberg und Nidda aufmarschieren unter dem Motto "Deutsche, wehrt euch gegen Islamisierung und Überfremdung". Prompt riefen rund 80 Organisationen als "Wetterauer Bündnis gegen Rechts" zur Gegendemonstration auf. 1200 Menschen folgten dem Aufruf in Friedberg, in Nidda stellten sich 500 den Neonazis in den Weg. In beiden Städten gibt es gut funktionierende Moscheen.

Der Platz vor dem Friedberger Bahnhof, von dem aus die NPD losmarschieren will, ist frühmorgens schon gut gefüllt. Eine Kirchenband spielt auf, drei evangelische und katholische Kirchenvertreter halten gemeinsam ein Morgengebet. "Die Verharmlosung des NS-Regimes ist für mich unerträglich", sagt Pfarrerin Susanne Domnick. "Menschen sollen hier wie Menschen behandelt werden", stimmt Dekan Hans-Joachim Wahl mit ein.

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Die Polizei hat mit mehreren Hundertschaften die Hanauer Straße und die Saarstraße gesperrt, auf denen die Rechten marschieren wollen. Demonstrationsteilnehmer werden nach gefährlichen Gegenständen durchsucht, Fahrradfahrer werden angehalten. "Ist aber alles kein Problem", erzählt ein älterer Radler, "ich bin heute schon mehrmals hier langgefahren". Auch wenn er selbst die Rechten marschieren gelassen und einfach ignoriert hätte. "Das hier ist eher eine Wahlveranstaltung", ergänzt sein Bekannter.

Nach dem Morgengebet hat bereits Friedbergs Bürgermeister Michael Keller (SPD) eine Rede gehalten, gerade geißelt eine DGB-Vertreterin "Nazis, die Demonstrationen gegen Sozialabbau missbrauchen". IG Metall, Sportjugend Hessen, die Antifaschistische Bildungsinitiative Wetterau und selbst Studentenverbindungen beteiligen sich an der Gegendemonstration. "Es gibt zwar auch schwarze Schafe unter den Burschenschaften", sagt Ralf Leichner von der Landsmannschaft "Cimbria et Rhenania", "wir nehmen aber auch andere Nationen bei uns auf".

Während die Coverband Honey Twins "I said hey what's going on" trällert, fliegen eine Querstraße weiter die Fäuste. Vier Einsatzwagen halten mit quietschenden Reifen vor einem Bistro, finden aber nur noch einen Jugendlichen mit einem blutenden Ellenbogen vor. Seine Haare sind kurz geschoren, auf seinem T-Shirt steht "Hatecore" eine von Neonazis vereinnahmte Musikrichtung. "Die Linken haben ihm gegen den Kopf getreten", regt sich eine Augenzeugin auf, "das sind dieselben Methoden wie bei den Rechten".

An anderer Stelle werden Polizisten mit Flaschen beworfen, ein Polizist blutet leicht im Gesicht, nachdem er von einer Trillerpfeife getroffen wird. Ein 30-Jähriger wird festgenommen, er hat Steine als Wurfgeschosse im Rucksack.

Ansonsten bleibt es friedlich in Friedberg und Nidda, und die Gegendemonstranten haben Erfolg: Die NPD streicht an beiden Orten die Segel. Nicht aber, ohne spontan eine halbe Stunde durchs benachbarte Ranstadt zu marschieren. Motto: "Demonstrationsrecht auch für Deutsche". Ein Recht, von dem auch in Ranstadt zahlreiche Gegendemonstranten Gebrauch machten.


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Dokument erstellt am 02.08.2009 um 19:03:11 Uhr
Letzte Änderung am 03.08.2009 um 12:38:13 Uhr
Erscheinungsdatum 02.08.2009 | Ausgabe: d
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