Er legt ein irres Tempo vor, irgendwie gehetzt. In seiner neuen Late-Night-Show steht Harald Schmidt vor der Kamera, Hand in der Hosentasche und lässt seine Gags am Stück vom Stapel. Gut geschrieben wären sie besser getimed, wäre ein bisschen mehr Luft drin. Doch dass die bei Schmidt womöglich raus ist, dafür stehen seine wechselnden Sendungen und mittlerweile auch Partner.
Den ersten wirklich guten Gag landet Schmidt bei seinem aktuellen Comeback mit Afghanistan – Hausaufgabenhilfe mit der Maschinenpistole. Im Clip noch einmal Jürgen Tödenhöfer bei Plasberg der Vorwoche: "Ohne den Kampf der Afghanen, hätte es die deutsche Wiedervereinigung nie gegeben." Woraufhin Schmidt ein Video zeigt, in dem Bin Laden den "Generalsecretary Gorbatschow" dazu auffordert die Mauer abzureißen. Das ist auch das erste Mal, dass man zum Lachen kommt, ohne gleich den Übergang zum nächsten Kalauer zu verpassen.
Auch der Spot zuvor zur Wahl der großen Koalition hatte komische Qualitäten: "Ich wurde nicht zur Kanzlerin geboren", säuselt Angela Merkel. In die stromlinienförmige Bildfolge, sind zwei bis drei derbe Slapstick-Elemente eingebaut. Jemand stürzt vom Fahrrad und die Kanzlerin läuft gegen die Wand. Das hat so den Humor von Nackte Kanone 2½ , und plötzlich spricht Kanzlerkandidat Steinmeier salomonische Worte, ganz hübsch.
Zum Ersatz für Pocher lässt Schmidt wie angekündigt gleich drei junge Kollegen aufmarschieren: Katrin Bauerfeind interviewt Schmidt als Lothar, den militanten Vetter von Peter Scholl-Latour, dessen Ton Schmidt frappierend trifft. Doch was soll eigentlich Bauerfeind dabei? Das hätte auch funktioniert, wäre Schmidt alleine im Bild gewesen. Und einen neuen Dreh in Hinblick auf Scholl-Latour, etwas Zwingendes, Entlarvendes bietet die Einlage auch nicht. Schmidt ist Schmidt – wussten wir schon vorher.
Von einem Militanten geht es zum nächsten: Wicki und die starken Männer. In einer nachgespielten Szene von Lars von Triers Antichrist schaut ein Junge mit Hörnerhelm den Eltern beim Beischlaf zu, bevor er sich lächelnd aus dem Fenster stürzt. "Wicki und der Antichrist" steht zu lesen, womit auch die Kinostarts der Vorwoche abgefrühstückt wären.
Im Anschluss darf der nächste Adjutant, Jan Böhmermann, einen Schweinegrippekranken mimen, der es bis auf Platz zwei der Topnews bei Sat.1 und Pro-Sieben schafft. Und Harald Schmidt fordert noch einmal fröhlich im Namen des Boulevards die versprochenen Schweinegrippen-Opfer in Deutschland, die noch immer auf sich warten lassen.
Wahlkampf, Afghanistan, Kino, Schweinegrippe – die Pflicht ist geschafft. Jetzt kommt Peter Richter ins Spiel und die Kür beginnt. Ein wahrhaft avantgardistisches Namedropping. Von Boris Groys, dem "Helge Schneider der Medientheorie", bis Andrea Breth – wie die Burgtheaterregisseurin ins Spiel kommt, ist im Nachhinein ein wenig unklar. Es geht um das Pissoir von Duchamp und Harald Schmidt bemerkt "Wer A sagt, muss auch Baudrillard sagen". Hinreißend, unverständlich, Note 1+ für den garantierten Quotenkiller.
Erst der Auftritt des Trigema-Chefs Wolfgang Grupp macht klar, wozu die Richter-Einlage gut war: Egal, was der kreuzbrave Schwabe jetzt noch sagt, dass er als CDU-Wähler für die Einführung eines Mindestlohns ist, oder dass er als bodenständiger Schwabe früher zu Bett geht als die Rheinländer. In den imprägnierten Ohren der Zuschauerin klingt alles nur noch schön grotesk und wie echter Trash.


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