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Amerika sei Lob und Dank

Von Arnd Festerling

In Sachen großer Geste kann Angela Merkel mit den Besten dieser Disziplin locker mithalten. Ihre Reise in das Land der Meister der Inszenierung, der Liebhaber des großen Auftritts hat sie sauber hinbekommen. Schon der Termin war gut gewählt, denn wenige Tage vor dem Jubiläum des Mauerfalls kann die Kanzlerin dem großen Freund in aller Bescheidenheit Dank sagen für die Freiheit aller Deutschen. Für die Befreiung 1945 wie für den Mauerfall 1989.

Allzu oft fühlen sich die Amerikaner verkannt und missverstanden in ihrem unermüdlichen Bemühen, Freiheit und Demokratie in der Welt zu verbreiten. Gerade aus dem Mund Merkels, in deren Person sich die deutsche Geschichte so dramatisch spiegelt, klingt dieser Dank besonders angenehm. Schließlich ist die wenige Wochen alte Angela 1954 aus Hamburg, dem Herzen der Freiheit, mit der Familie in die Zone gezogen; hinter den Eisernen Vorhang, der sich erst 35 Jahre später wieder hob.

Was die Amerikaner gleich viel weniger schätzen, sind Ratschläge, insbesondere bei Angelegenheiten, die sie für die Ihren halten. Klimapolitik gehört dazu allemal, insbesondere weil die USA in diesem Fall wenig Dank und viele Vorwürfe zu hören bekommen. Es spricht für Merkel, dass sie nach der gefühligen Geste das amerikanische Volk in einer brillanten Rede deutlich an seine Pflicht in Sachen Klimaschutz erinnert hat.

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Ob dieser Appell das ergriffene Publikum allerdings erreicht, sei dahingestellt. Die Kanzlerin jedenfalls hat das Wesen der transatlantischen Beziehung auf den Punkt gebracht: Lob und Dank für den großen Verbündeten, aber auch Forderung und Verpflichtung.
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Dokument erstellt am 03.11.2009 um 17:33:04 Uhr
Letzte Änderung am 04.11.2009 um 09:12:48 Uhr
Erscheinungsdatum 03.11.2009 | Ausgabe: d
Kommentare
1. Merkel-Hofberichterstattung
Völlig befremdlich ist die auch von der Frankfurter Rundscha praktizierte unkritische Medienberichterstattung zu Merkels "Mahnung" an die USA in Sachen Klimaschutz.

Die Klimaschutzpolitik Merkels war in den vergangenen Jahren davon geprägt, sich bei internationalen Auftritten von den hiesigen Medien als "Klimakanzlerin" feiern zu lassen, in der konkreten Tagespolitik jedoch häufig sowohl national als auch international als Bremserin aufzutreten.

Der weit überwiegende Teil unserer Medien verweigert sich jedoch einer kritischen Bestandsaufnahme der Merkelschen Klimapolitik und übt sich stattdessen einmal mehr in Hofberichterstattung.



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2. Leere Worte
Dass Kanzlerin Merkel in Sachen großer Gesten und Worte mit den "Besten dieser Disziplin" mithalten kann, ist keine Überraschung mehr, konnten doch die BürgerInnen bereits in potenzierter Form in den vermeintlichen Genuss dieser Form von Redekunst gelangen. Anstatt jedoch in der Gefühligkeit von Angela Merkels Sprechen zu verharren, erwarte ich von der FR, dass sie sich mit den Sachinhalten ihrer Rede(n) auseinandersetzt und die LeserInnen über den Schein der schönen Worte hinaus informiert. Eine kritische, Medienberaichterstattung könnte z.B. in Erinnerung bringen, wann die zur Klimakanzlerin hochstilisierte Politikerin ihre eigenen mahnenden Worte zum Klimaschutz vergißt, wenn es darum geht ein Wirtschaftssystem zu retten, welches das Weltklima bedroht und weiter zerstört.



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3. Merkels Rede
Frau Dr. Merkel hätte noch daraufhinweisen können, dass der amerikanischen Wirtschaft um so mehr Schäden entstehen, je stärker der Klimawandel eintritt.
Peer



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4. Dank für Befreiung 1945?
Merkel hat sich nicht "für die Befreiung 1945" bedankt, wie der Kommentator schreibt. Sie hat an die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands errinnert, u. a. indem Sie einen im Kongress anwesenden Überlebenden des Holocaust ansprach. Sie hat aber weder von einer Befreiung 1945 gesprochen noch sich für die Rolle der Amerikaner im 2. Weltkrieg bedankt. Ihr Dank galt der fortwährenden amerikanischen Unterstützung der Bundesrepublik in der Nachkriegszeit bis zur Wiedervereinigung.



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5. Zustimmung
Es gibt im politischen Geschäft Gelegenheiten, die im wesentlichen dazu dienen, sich gegenseitig seiner grundsätzlichen Haltungen und Einstellungen zu versichern allen strittigen Problemen zum Trotz. Mein Eindruck ist, dass dies Frau Merkel in Washington gut gelungen ist und man sollte als Demokrat nicht so kleinlich sein, bei jeder Gelegenheit immer nur die Haare in der Suppe zu finden. Zumindest meine Grundhaltung zu den USA hat sie gut repräsentiert, wofür ich ihr als nicht unbedingt ihr größter Fan dennoch gerne dankbar bin.
Solches in einem Kommentar anzuerkennen, ist in meinen Augen keine Hofberichterstattung.



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