Politisch Brisantes, subtile Kunst und hanebüchener Schund. Die Macher des Exground-Festivals bleiben sich auch bei der 22. Auflage ihres Filmfestes in Wiesbaden treu: Alles darf über die Leinwand der Caligari-Filmbühne und dreier weiterer Kinos flimmern, nur keine Massenware aus Hollywood.
Zehn Tage dauert das ehrenamtlich organisierte Festival, 300 Filme sind zwischen dem 13. und 22. November in einer schon fast unüberschaubaren Zahl von Reihen und Wettbewerben zu sehen.
Und ein bisschen was Neues gibt es natürlich auch. "Wir haben unsere Programmstruktur ein wenig umgestellt", sagt Andrea Wink vom Exground-Team. So verzichtet es in diesem Jahr auf eine eigene Dokumentarfilm-Schiene. Dafür erhält der deutsche Film eine größere Aufmerksamkeit als bisher.
Damit wollen die Festival-Macher dem Aufschwung des heimischen Filmschaffens gerecht werden - ohne damit den eigenen Anspruch aus dem Blick zu verlieren: "Die deutschen Filme, die wir ausgesucht haben, bieten fast alle Einblicke in andere Kulturen und Subkulturen", betont Winks Kollege Gerald Pucher.
Kurzfilme an Hausfassaden
Das gilt auch für den Eröffnungsfilm: Mit dem Studentendrama "Desperados on the Block" von Tomasz Emil Rudzik startet "Exground" am 13. November um 19 Uhr im Caligari durch. Wer will, kann anschließend durch die Wiesbadener Innenstadt flanieren, und sich bei der Aktion "A Wall is a Screen" an der frischen Luft Kurzfilme ansehen, die auf Hausfassaden projiziert werden. Ziel der kleinen Wanderung ist der Kulturpalast, wo Underground-Filmer Jörg Buttgereit den Eröffnungsparty-DJ gibt. Am Tag darauf zeigt der Exground-Stammgast - ebenfalls im Kultupalast - ab 22 Uhr sein trashiges Superhelden-Spektakel "Captain Berlin versus Hitler".
Exground-Filmfest
Das "Exground" gilt als wichtigstes deutsches Festival für den Independent-Film. 300 Filme aus 41 Ländern laufen vom 13. bis 22 November in vier Wiesbadner Spielstätten: Caligari-Filmbühne, Kulturpalast, Murnau-Filmtheater und Alpha-Kino.
Das Budget des ehrenamtlich arbeitenden Organisations-Teams beträgt 200.000 Euro. Die Stadt Wiesbaden trägt davon 63.000 Euro, der Rest stammt vom Land und zahlreichen Sponsoren.
Auch außerhalb des Filmsaals bietet das Filmfest einiges für Auge und Ohr:
Eröffnungsparty mit Regisseur Jörg Buttgereit als DJ (Kulturpalast, 13. November, 22 Uhr)
"Her mit dem Trash" (Kulturpalast, 16. November, 22 Uhr)
Konzert "The Klezmatics" (Schlachthof, 20. November, 20 Uhr)
www.exground.com
Mehr über die Kino- und Filmszene in Wiesbaden in einem
FR Spezial:Filmstadt Wiesbaden.
Fotostrecke:
Kunst trifft Trash - 22. Exground-Filmfest
Politische Brisanz verspricht eine Auswahl von Filmen aus und über den Iran. Die Dokumentation "Tehran without Permission" bietet intime Einblicke in den Alltag der Islamischen Republik, verdeckt gefilmt mit einer Handykamera. Außerdem haben die Festivalmacher drei iranische Regisseure eingeladen, um mit ihnen über ihre Arbeiten und die Situation in ihrem Land zu diskutieren. "Zwei von ihnen kommen sogar direkt aus dem Iran. Das hat kurzfristig noch geklappt", kündigt Andrea Wink an.
Um die Preise in insgesamt sechs Wettbewerben konkurrieren sie mit ihren Filmen aber nicht. Viel Zuspruch findet regelmäßig der "Deutsche Kurzfilm-Wettberwerb", bei dem diesmal zehn Shortys um drei Preise konkurrieren.
Wer’s gern richtig schräg mag, ist bei "Her mit dem Trash!" (16. November, 22 Uhr) im Kulturpalast richtig: Freiwillige können eigene Film-Kreationen vorführen. Wenn’s der Jury nicht gefällt, haut sie auf einen Gong und der Nächste darf sein Glück versuchen. Der Gewinner bekommt die "Exground-Gurke" und 50 Euro Startfinanzierung für sein nächstes Machwerk.
Deutlich mehr zu verdienen gibt es bei der "Film ab 50!-Kurzfilmnacht" (18. November, 19 Uhr, Caligari), die das Exground-Festival erstmals gemeinsam mit dem Bundesarbeitsministerium für Arbeit veranstaltet. Zu sehen sind acht Kurzfilme, die sich mit dem Thema "Alter und Arbeit" befassen. Eine Jury verteilt anschließend ein Preisgeld von 10.000 Euro.


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