Brüssel. Zwei Politiker aus der zweiten Reihe sind die neuen Gesichter der Europäischen Union: Bei einem Sondergipfel in Brüssel haben sich die Staats- und Regierungschefs der Gemeinschaft am Donnerstagabend darauf geeinigt, dem belgischen Premierminister Herman Van Rompuy (62) den Posten des ständigen EU-Ratspräsidenten zu übertragen. Die britische EU-Handelskommissarin Catherine Ashton (53) soll neue Chefdiplomatin der Union werden. Van Rompuy ist Konservativer, Asthon gehört den Sozialdemokraten an.
Van Rompuy galt vor dem Gipfel als Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy. Der Flame steht in Belgien seit knapp einem Jahr an der Spitze einer Fünf-Parteien-Koalition und regiert sein zerstrittenes Land unaufgeregt, aber mit einigem Geschick. International ist er bisher nicht weiter in Erscheinung getreten.
Die künftige Chefdiplomatin Asthon hat keinerlei Erfahrung in der Außenpolitik. In Großbritannien profilierte sich die Labour-Frau als Bildungs- und Innenpolitikerin. Als sie vor einem Jahr das einflussreiche Handelsressort in der Brüsseler EU-Kommission übernahm, betonten ihre Fürsprecher, Ashton sei sehr lernfähig. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte: "Ich gehöre zu den Menschen, die wissen, dass Persönlichkeiten in Aufgaben hineinwachsen können."
Der amtierende EU-Ratspräsident und schwedische Regierungschef Fredrik Reinfeldt äußerte sich nach dem Gipfel erfreut über das "neue Führungsteam". Nach jahrelangen Debatten zeige Europa eine neue Einigkeit und werde den Lissabon-Vertrag nun zum 1. Dezember in Kraft setzen.
Reinfeldt würdigte die europäischen und finanzpolitischen Erfahrungen des Belgiers und lobte den Einsatz Ashtons für die Annahme des EU-Reformvertrages in Großbritannien. (mit ddp)


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