Irgendwann im kommenden Frühjahr, spätestens im Sommer wird vom US-Marinestützpunkt Patuxent River Amerikas erster mit Biosprit betriebener Kampfjet zu einem Testflug abheben. Die F/A-18 Super Hornet wird in ihren Tanks ein Gemisch haben, das nur zur Hälfte traditionelles Flugzeugbenzin ist. Der Rest beruht auf Pflanzenölen, gewonnen aus Leindotter, Purgiernuss-Sträuchern oder Algen.
Sechs Millionen Dollar lässt sich die US-Marine die Entwicklung des Treibstoffs kosten. Sie kann ihn wohl schon vor 2013 einsetzen - auch im Krieg. Es wäre eine eigentümliche Schlagzeile: Öko-Kampfjet wirft 500-Pfund-Bombe ab!
Ein makabrer Witz aber sind die Biosprit-Experimente nicht. Zwar wähnt man sich irgendwie im falschen Film, wenn Billy Ray Brown, Sprecher des Naval Air Warfare Center, betont, es gehe auch darum, mit den Kampfjets möglichst "die geringsten Auswirkungen auf die Umwelt" zu verursachen. Doch wenn selbst das Pentagon Flugzeuge mit Algen betankt, Truppentransporter und Kriegsschiffe mit sparsamem Hybrid-Antrieb baut und Stützpunkte mit Solaranlagen versorgt, dann muss es in den USA vielleicht doch vor der Tür stehen: das neue Energiezeitalter.
Wandel der Werte
Lester Brown, Gründer und Präsident des Earth Policy Institute, glaubt fest daran. Er war in Washington lange ein einsamer Mahner. Über Jahrzehnte versuchte Brown in unzähligen Büchern und Vorträgen, in den USA das Umweltbewusstsein zu schärfen. Jetzt ist er 75 und sieht endlich die Früchte seiner Arbeit reifen: "Auf einmal passiert so viel in diesem Land, es ist wie ein Dammbruch", sagt Brown und atmet tief ein, als könne man die Veränderungen riechen: "Wir erleben ein fundamentales Umdenken, einen Wandel der Werte. "
Klima-Spezial
Das Kopenhagener Abkommen zum Klimaschutz soll von 2013 an das Kyoto-Protokoll ablösen. Studien, Umweltszenarien, interaktive Grafiken zur Entstehung von Ozon, Hintergründe und mehr.
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Klimapolitik im Blick des Karikaturisten
Seine Prognose: "25 Prozent sind überhaupt kein Problem." Selbst Reduktionen, wie sie Europa bis 2020 ins Auge fasst, traut Brown Amerika locker zu.
Vorn am Eingang liegt im Earth Policy Institute leicht vergilbt eine Presseerklärung vom 15. Oktober 2008. Gut zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl, als der nächste Mieter im Weißen Haus auch John McCain hätte heißen können, war man sich hier schon sicher: "Eine neue Energiewirtschaft entsteht in den USA."
Windenergie-Branche wächst so schnell wie nirgends sonst
Ausgerechnet Texas, der strukturkonservative Ölstaat, hatte soeben Kalifornien überholt und sich zu Amerikas neuem Windpark-Zentrum gewandelt. Gehen alle geplanten Projekte ans Netz, werden die 24 Millionen Texaner in wenigen Jahren nicht nur ihren Strombedarf mittels Windkraft decken, sondern neben Öl erneuerbare Energie exportieren.
Auch andere Bundesstaaten setzen massiv auf Wind. 2008 gingen landesweit 102 Windparks ans Netz. Selbst das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba bekommt seinen Strom von einer Rotorenanlage. Schon vor dem im Februar verabschiedeten Konjunkturprogramm wuchs die Windenergie-Branche in den USA schneller als in jedem anderen Land. Jetzt sprudeln die Fördergelder erst recht: Obama will binnen drei Jahren die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen verdoppeln. 33 Milliarden Dollar werden im Rahmen des Stimulus-Pakets bereitgestellt. Rechnet man Kreditgarantien und Steueranreize dazu, sind es sogar 167 Milliarden.
Um das Geld ist ein Wettlauf im Gange. Vor allem der sonnige Südwesten erlebt einen Solarboom. Mit Nevada Solar One wurde 2007 erstmals seit Anfang der 90er-Jahre wieder ein großes Sonnenkraftwerk in Betrieb genommen. Weitere folgen bald.
Ohne auf Washington zu warten, hat rund die Hälfte der 50 Bundesstaaten eigene Vorgaben für den Energiemix erlassen. Kraftwerksbetreiber müssen dort den Anteil an erneuerbaren Energien stetig erhöhen, sonst drohen empfindliche Strafen. Pessimisten verweisen auf die wechselvolle Geschichte der Wind- und Solarkraft in den USA, wo noch auf jeden Boom die Pleitewelle folgte. Doch Lester Brown ist sicher: "Diesmal gibt es kein Zurück."



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