Kopenhagen. Der Preis ist ein silberner Pokal, gefüllt mit tiefschwarzen Kohlebrocken. Dazu ein Plastik-Dinosaurier. Pamela O´Connor, Vize-Bürgermeisterin der kalifornischen Stadt Santa Monica, bekommt die Auszeichnung überreicht. Die grauhaarige, resolute Frau sagt: "Tut mir leid, dass ich das annehmen muss." Aber sie steht die Verleihungszeremonie frauhaft durch, bis zum Ende, und dann singt eine junge Umweltschützerin noch ein ökokorrekt umgetextetes "Bye bye, Miss American Pie".
Die Vergabe des "Fossil of the Day Award" hat Tradition auf den Weltklimagipfeln, die nun schon seit dem Rio-Erdgipfel von 1992 in jedem Dezember abgehalten werden. Den Anti-Preis vergibt das Umweltschützer-Bündnis CAN, in dem sich fast 500 Verbände aus aller Welt zusammengeschlossen haben, an jene Länder, die sich am effektivsten der Verzögerung des Klimaschutzes verschrieben haben. Sie sind die Klima-"Fossile".
Diesmal trifft es die USA. "Amerika hat die schwächsten CO2-Ziele der Industriestaaten", lobt Ben Winkler, der Laudator. Und fügt, nun ernst, hinzu: "Gerade jetzt, wo die Welt die USA als Anführer braucht, mauern die Kohle- und Öl-Lobby und ihre Vertreter im US-Senat das Land ein."
Das ist, inmitten des Verhandlungschaos, das im Kopenhagener Bella Center seit Anfang der zweiten Konferenz-Woche herrscht, die Frage der Fragen: Bewegen sich die USA, der Kyoto-Renegat und historische Emissionsweltmeister? Oder bewegen sie sich nicht.
Klimagipfel in Kopenhagen
Das Kopenhagener Abkommen zum Klimaschutz soll von 2013 an das Kyoto-Protokoll ablösen. Studien, Umweltszenarien, interaktive Grafiken zur Entstehung von Ozon, Hintergründe und mehr.
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Kinder malen den Klimawandel
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Zehntausende bei Kopenhagener Klima-Demonstration
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Klimagipfel '09: Zwei Wochen, um die Welt zu retten
In den letzten Jahren gab es das auch schon auf den Gipfeln. US-Bürgermeister, die die grüne Fahne hoch hielten. Vertreter von Bundesstaaten, die einen Emissionshandel nach EU-Vorbild betreiben. Wild entschlossene Umweltschützer, die versuchten, ihrer Regierung Feuer zu machen.
Die US-Administration, die hier verhandelt, ist selber als globale Klimaretterin angetreten. George W. Bush verteidigte den ölgeschmierten American Way of Life bis zuletzt. Nachfolger Barack Obama aber hat den grünen Umbau der US-Industriegesellschaft als zentrale Aufgabe definiert. Viele hatten gehofft, er werde die Klimagipfel von ihrer notorisch neurotischen Fixierung auf die US-Bremser befreien.
Und nun das. Es ist fast wie immer, auch wenn Jonathan Pershing, einer der Chef-US-Unterhändler für Kopenhagen mit seiner Optik täuscht, weil er dank graumeliertem Vollbart aussieht wie ein gealterter Greenpeace-Aktivist.
Die Linie gibt Todd Stern vor, der Klima-Sondergesandte Obamas, ein hagerer, drahtiger 58-Jähriger. Knorrig, hart und trocken, also unamerikanisch unjovial tritt er auf. Meist verklausuliert, aber wirkungsvoll lässt er bei seinen Auftritten durchblicken, dass Washington sich nicht bewegen will - weder was die bisher mageren CO2-Ziele noch was langfristige Finanzhilfe für den Klimaschutz in den Entwicklungsländern angeht. Die USA würden dem Kyoto-Protokoll, das den Industrieländern verbindliche und international nachprüfbare Ziele setzt, nicht beitreten. Niemals.
Gipfel im Schwebezustand
Fürchten Sie sich vor dem Treibhauseffekt?
Kurz vor der nächsten Klimakonferenz in Kopenhagen ist auch der Treibhauseffekt wieder Thema. Haben Sie Angst davor?
Langjährige Klimagipfel-Cracks sind so was gewöhnt. Doch Kopenhagen, das sagen alle, scheint in diesen Stunden dramatischer zu sein als alles, was sie bisher erlebten. Obama-Mann Stern, muss man natürlich wissen, ist ein gebranntes Kind. Der Jurist war schon 1997 im japanischen Kyoto ein wichtiger Mann im US-Verhandlungsteam, damals für Bill Clinton.
Die Clinton-Regierung unterzeichnete den historischen Deal. Dann kam die Pleite. Im republikanisch beherrschten Kongress bekam Clinton - und damit auch Stern - den Klimavertrag nie durch, und Bush trat ihn dann 2001 in die Tonne. Washingtons Maxime für Kopenhagen lautet nun: So etwas soll nicht wieder passieren.
Aber genau diese Gefahr besteht nun, wenn Obama sich bei seinem mit Spannung erwarteten Gipfelauftritt am Freitag zu weit aus dem Klimafenster lehnt. Der Präsident hat große Schwierigkeiten, sein Klimagesetz durch den US-Senat zu bringen, obwohl seine Demokraten da eine Mehrheit haben.
Er darf weder die Senatoren aus den Kohle produzierenden Bundesstaaten verprellen noch die, die den Automobil-Gewerkschaften nahestehen, und die Atomlobbyisten unter den Abgeordneten wollen auch mitgenommen werden.
Wie viel einfacher wäre es da, wenn Obamas Truppe auf mehr politische Gegner wie den Republikaner Arnold Schwarzenegger zählen könnte. Der grün-konservative Klimawandel-Terminator, Gouverneur von Kalifornien, besucht das Bella Center in dieser Woche - und reißt seine Zuschauer, darunter viele US-Amerikaner, zu Begeisterungsstürmen hin.
Angekündigt als "Climate Action Star" erzählt er Anekdoten, berichtet, wie er mal in Kopenhagen Body-Building-Kurse gemacht hat, warum er Andersens Märchen vom hässlichen Entlein so mochte und wie sauber das Wasser im Hafen der Metropole doch sei. Aber dann sagt er auch: "Die Welt braucht scharfe, verbindliche CO2-Ziele und eine ausreichende Finanzierung für Klimaschutz in Entwicklungsländern."
Schwarzenegger mäht nicht einfach alle um, wie man das aus seinen Filmen kennt. Er baut auf. "Wir sind am Anfang einer planetarischen Transformation", ruft er aus. Die könnten nicht mal Regierungen aufhalten. Das Kopenhagener Geschacher ist für einen Moment vergessen. Doch dann ist es wieder da.



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