stellen
auto
immobilien
marktplatz
inserieren
Top-News
15. März 2010
Anzeigenmarkt | Zeitungsanzeige aufgeben | Abo-Angebote

In- & Ausland
Frankfurt & Hessen
Marktplatz
Verlagsservice
ANZEIGE
Die FR auch bei
Top-News

Kommentar zum Bartsch-Rückzug

Gnadenlos rausgemobbt

Von Stephan Hebel

Eines muss man der Linken lassen: Sie ist eine durch und durch etablierte Partei - zumindest was die gelegentliche Gnadenlosigkeit im Umgang miteinander angeht. Dietmar Bartsch wäre also durchaus qualifiziert, Frank-Walter Steinmeiers Angebot anzunehmen und zur SPD zu wechseln. Dort würde er auch ganz sicher und unumstritten zu den Partei-Linken zählen.

Bartsch wird das nicht tun. Jedenfalls nicht, solange der Machtkampf in seiner Partei nicht entschieden ist. Und das ist er keineswegs, im Gegenteil. Der Bundesgeschäftsführer, zuletzt gemobbt sogar von seinem alten Weggefährten Gregor Gysi, dürfte nicht das letzte Opfer gewesen sein. Und andere werden nicht so weich fallen wie er, dem Gysi postwendend einen Vize-Posten in der Fraktion anbot.

"Von geistiger Weite geprägt" sein solle die innerparteiliche Programmdebatte, hat sich Spitzenstratege Bartsch zum Abschied gewünscht. Und er weiß, wovon er redet - war er doch jahrelang der umtriebige Verwalter im Hintergrund, wenn Gysi dem eigenen Laden ein Mindestmaß von intellektueller Offenheit beizubiegen versuchte: Offenheit zwischen Ost und West; Offenheit für die Überprüfung ideologischer Glaubenssätze anhand neuer Entwicklungen der Gesellschaft; Offenheit im Umgang - und womöglich Koalitionen! - mit Andersdenkenden.

Der Grund, aus dem Gysi nun ausgerechnet diesen treuen Weggefährten fallen ließ, hat vor allem einen Namen: Oskar Lafontaine. Der ist für Offenheit gegenüber Andersdenkenden nicht gerade berühmt, und er wollte ganz offensichtlich nicht mehr mit Bartsch. Seine Rückkehr - wenn die Gesundheit sie denn erlaubt - stand in Frage. Und Gysi wusste, dass sein Traum vom langen Leben einer Partei links von der SPD sich vorerst nicht erfüllen lässt ohne das westliche Zugpferd Lafontaine.

Kleines Problem: Mit Lafontaine womöglich auch nicht. Der Saarländer ist ja nicht nur Zugpferd. Er ist auch vollkommen ignorant gegenüber den Schritten zur "geistigen Weite", die Gysi und Co. schon mit der PDS gegangen sind und die die Partei erst vom Nostalgieverein zur ernstzunehmenden politischen Kraft gemacht haben. Sie - auch Bartsch - hatten bis zur Vereinigung mit der WASG das Kunststück geschafft, realistisch und regierungsfähig zu werden, ohne das Protest-Potenzial in der Wählerschaft zu vernachlässigen. Protest-Polterer Lafontaine dagegen ist zwar mindestens ebenso Machtmensch wie Gysi, im Ton allerdings gibt er sich gern so wütend, dass er zwar ohnehin Gleichgesinnte begeistert, aber viele andere - selbst potenzielle Freunde - verschreckt.

Mehr zum Thema
Mit welchem Programm und in welchem Ton die Linkspartei versucht, zum Dauerbrenner zu werden, ist volllkommen unentschieden. Sollte sich Gysi allerdings demnächst auch noch einen Bartsch-Nachfolger nach Lafontaines Gusto aufzwingen lassen, dann hätten sie die "geistige Weite" schon verloren, bevor die Programmdebatte richtig beginnt. Und dann erst könnte sich die SPD Hoffnung machen, die in die Linkspartei geflüchteten Sozialdemokraten zurückzugewinnen - und ein paar intelligente Linke wie Bartsch dazu.
Lesen Sie auch


Pfeil-SymbolArtikel kommentieren (30 Kommentare)



Empfehlen via:    Twitter    Facebook    StudiVZ    MySpace
[ document info ]
Copyright © FR-online.de 2010
Dokument erstellt am 15.01.2010 um 12:31:02 Uhr
Letzte Änderung am 15.01.2010 um 17:02:19 Uhr
Erscheinungsdatum 15.01.2010
Kommentare
1. Ach ja?
Woher weiß der Kommentator denn das alles? Letztlich sind wohl speziell die Aussagen zu Lafontaine reine Vermutungen des Autors, die hier als reine Wahrheit dargestellt werden. Die wenigsten Politiker sind dumm genug, um die jämmerlichen, plumpen, gedanklichen Machtspielchen, einer immer unfähiger werdenden Journalistenzunft, ernsthaft so simpel in Erwägung zu ziehen. Es wäre begeisternd, wenn die FR den Pfad des Infotainments schnell wieder verlassen könnte.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

2. das macht ja nichtmal soeder
wenn bartsch wirklich illoyal gewesen ist und die bildzeitung mit privaten delikatessen versorgt hat ...ist er doch in keiner partei mehr zu gebrauchen...
muss man sich mal bei der cdu csu vorstellen ...das macht ja nichtmal soeder...
die partei die das auushaelt und aussitzt moechte ich mal sehen ...die gibts garnicht... man kann ja ignorant undd arrogant sein wie steinmeyer und seine spd aber die direkten gegner mit munition versorgen das passiert wohl nichtmal in der spd...



Pfeil-SymbolVerstoß melden

3. Zweierlei Maß
Man stelle sich vor, CDU-Generalsekretär Profalla würde gegen die CDU-Parteichefin Merkel intrigieren, indem er beispielsweise die CDU-feindliche Presse mit tatsächlichen oder gar erfundenen "Informationen" füttern würde, um damit der CDU-Chefin ganz bewußt zu schaden.
Meine Frage an die Frankfurter Rundschau: Würde in diesem Falle die Überschirft ebenfalls lauten': "Gnadenlos rausgemobbt"?

Dies auch vor dem Hintergrund, daß von einem Generalsekretär bzw. Bundesgeschäftsführer eine große Loyalität zum jeweiligen Parteivorsitzenden erwartet wird.

Mein Eindruck zu diesem FR-Kommentar: Man nutzt die Gelegenheit, um wieder einmal das Beinchen gegen die Linkspartei und speziell gegen Oskar Lafontaine zu heben.



Pfeil-SymbolVerstoß melden

4. Die Presse und die geistige Weite
Warum haben die Verlegerfamilien solche Angst vor Lafontaine? Warum lassen sie etwas so durchsichtiges schreiben? Weil er linke Standpunkte klar und konsequent vertritt? Niemand behauptet, Oskar Lafontaine sei fehlerfrei, aber seine Analysen zum Finanzmarkt und zu Afghanistan waren echte geistige Perlen gegen das verlogene und demokratiefeindliche Salbader der sonstigen Polit-Chargen.

"Realistisch und regierungsfähig" sähe der "Autor" die Linke gern, was nichts anderes heißen soll als angepaßt und korrupt wie unsere gegenwärtige Regierung (und die davor und die davor ...). Cui bono?



Pfeil-SymbolVerstoß melden

5. Was soll das?
In 2 Monaten läuft mein Abo bei einer großen süddeutschen Tageszeitung ab. Aber wenn das der Stil der FR ist, kann ich nicht zu ihr wechseln.
Mag die geschichte Bartsch auch weniger symphatische Züge tragen, wird hier ein Feindbild Lafontaine gepflegt - nur arg undifferenziert und mir zu billig - schade liebe FR



Pfeil-SymbolVerstoß melden


Seite 1 von 6 nächste Seite
FR-online.de interaktiv
Datenschutz
Was passiert mit unseren Daten?

Bespitzelung, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Pfeil-SymbolSpezial zum Datenschutz
FR aufs Handy
Zum Handy-Angebot der Frankfurter Rundschau

Ob Büro, Biergarten oder Badesee: Die FR ist auf dem Handy immer dabei.

Pfeil-SymbolZum mobilen Angebot
Deutschlandwetter




Copyright © 2010 Frankfurter Rundschau
Startseite | Anzeigenmarkt | Hilfe | Politik | Wirtschaft | Frankfurt | Hessen
Sport | Fotostrecken | Kultur | Medien | Blogs | Auto
Reise | Videos | Spiele | Stellenmarkt | Kfz-Markt | Immobilien
Datenschutzerklärung | Abo-Service | Mediadaten | Kontakt | Impressum | Sitemap
realisiert von evolver media®