Frau Lötzsch, sind Ihre Füße groß genug für die Schuhe Ihres prominenten Vorgängers Oskar Lafontaine?
Ich will ja nicht die Schuhe von Oskar Lafontaine tragen, sondern gemeinsam mit Klaus Ernst die Vereinigung der Partei vorantreiben. Ich bin im übrigen sehr zuversichtlich, dass uns Oskar Lafontaine dabei auch weiterhin unterstützen wird.
Ihr künftiger Ko-Vorsitzender Klaus Ernst gilt als besonders ausgebuffter Machtpolitiker - was haben Sie ihm entgegenzusetzen?
Klaus Ernst sagt immer, er kommt aus Bayern und ist von Preußen umgeben, und wir Berliner neigen dazu zu sagen: "Uns kann keiner." Da gibt es aber nicht wirklich etwas entgegenzusetzen. Und ich bin ja auch nicht erst seit gestern in der Politik.
Der Personalkompromiss, den der Parteivorstand jetzt gefunden hat, sieht sehr stark danach aus, als hätten Wessis und Ossis so lange an der Decke gezogen, bis jeder einen gleich großen Teil davon hat. Nach Vereinigung sieht das nicht aus.
Das mag für Sie nicht so aussehen. Es wird jetzt die Aufgabe dieser vorgeschlagenen Personen sein, die Vereinigung dieser Partei auch tatsächlich zu organisieren und nicht nur darüber zu reden. Das wird sicher nicht funktionieren, wenn ich sage: Ich bin die Vorsitzende für den Osten, und Klaus Ernst ist der Vorsitzende für den Westen. Ich werde jetzt noch öfter zu Parteitagen und Veranstaltungen in Westdeutschland fahren, und Klaus Ernst wird natürlich auch im Osten auftreten. Vielleicht hilft es ja, wenn die Leute vor Ort auch mal anderes Denken kennenlernen.
Das heißt ja im Umkehrschluss, dass das bisher nicht geschehen ist.
Es ist vielleicht zu wenig geschehen
Nochmal: Zeigt nicht der Personalvorschlag - zwei Vorsitzende zwei Geschäftsführer, zwei Parteibildungsbeauftragte -, wie tief die Partei noch gespalten ist?
Der Vorschlag zeigt, dass die Linke eine große Aufgabe vor sich hat, dass wir die Partei zusammenbringen müssen in Ost und West. Aber der Vorschlag zeigt auch, dass alle bemüht waren, die Verantwortung auf möglichst viele und breite Schultern zu verteilen. Es hätte keinen Sinn ergeben, das alles einer Person aufzubürden. Ich denke, alle Beteiligten sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Jeder muss jetzt für die Vereinigung streiten und darf nicht mehr nur eine Strömung vertreten.
Hand aufs Herz, Frau Lötzsch, wie groß sind die Unterschiede zwischen Ost und West wirklich und wie wollen Sie die überwinden?
Die Unterschiede bestehen ja nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen unterschiedlichen politischen Erfahrungen. Wenn ich zum Beispiel jahrelang Gewerkschaftsfunktionär war ...
...wie Ihr künftiger Ko-Vorsitzender Ernst...
... dann habe ich eben andere Erfahrungen und vielleicht auch ein anderes Politikverständnis als jemand, der in außerparlamentarischen Basisinitiativen aktiv war. Zusammenkommen können wir nur durch gemeinsame Arbeit an Projekten, Ideen und durch die Bereitschaft, die Erfahrung der jeweils anderen zu akzeptieren.
Um den Vorschlag auf dem Parteitag durchzubringen, bedarf es einer Satzungsänderung. Was, wenn die Delegierten nicht mitspielen?
Dann stehen wir vor einer neuen Situation und müssen neu beraten.
Vor einer neuen Situation oder vor dem Aus?
Wir stehen nicht vor dem Aus. Wissen Sie, ich bin seit fast 20 Jahren politisch aktiv, ich habe schon so viele Beschwörungen des Endes der Partei erlebt, und es ist nie dazu gekommen. Ich bin optimistisch, dass es auch diesmal nicht dazu kommt. Wir kriegen das schon gemeinsam hin.


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