Im Spendenshop von Unicef kostet ein Moskitonetz sechs Euro. Auch für Einwegspritzen und Malaria-Tabletten verlangt das Kinderhilfswerk nicht die Welt. Für ein ganzes Nothilfepaket müssen Spender 50 Euro zahlen - mit etwas Glück kann ein Kind damit überleben. Jeder noch so kleine Betrag sei willkommen, heißt es auf der Internetseite von Unicef. "Es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass jedes Kind ohne Hunger und Krankheit aufwachsen kann."
Das ist schön gesagt. Es gibt jedoch Hinweise, dass das Geld der Gutwilligen in den letzten Jahren auch noch für ganz andere Aufgaben genutzt wurde.
Ende Mai 2007 geht im Kieler Büro der Unicef-Vorsitzenden Heide Simonis ein anonymes Schreiben ein. In der Kölner Bundesgeschäftsstelle, heißt es darin, "werden in letzter Zeit Gelder in seltsamer Höhe ausgegeben". Auf dubiose Weise würden an so genannte Berater "wahre Geldgeschenke" verteilt.
In der Zentrale finde zudem ein "für viele nicht nachvollziehbarer Umbau" statt, dessen Kosten "den guten moralischen Geschmack weit übersteigen", so der unbekannte Absender. Verantwortlich für die seltsamen Machenschaften sei der langjährige Geschäftsführer Dietrich Garlichs, der im Hause Angst und Schrecken verbreite. Alle Hoffnung ruhe daher auf der "lieben Frau Simonis".
Die reagiert sofort. "Im ersten Moment habe ich gedacht, das ist eine frustrierte Seele", sagt Simonis heute. Die in dem Brief genannten Namen und Summen geben ihr jedoch zu denken. Einen Tag später alarmiert die seit zwei Jahren amtierende Unicef-Vorsitzende daher den geschäftsführenden Vorstand und regt eine Sondersitzung an. Zur Vorbereitung des Treffens am 18. Juni bittet der Vorstand Verwaltungschef Manfred Boos um die Zusendung relevanter Unterlagen. Und was Boos den Unicef-Spitzen wenig später auftischt, lässt nicht nur Simonis den Atem stocken.
Aus den Unterlagen, die der Frankfurter Rundschau vorliegen, lässt sich, vorsichtig formuliert, ein überaus großzügiger Umgang von Unicef mit dem Geld von Spendern ablesen. So leistet sich das Kinderhilfswerk etwa seit August 2005 einen "freien Mitarbeiter", der zeitweise mindestens 16 000 Euro monatlich verdiente.
Bei dem Mitarbeiter handelt es sich um den früheren Bereichsleiter Mittelbeschaffung bei Unicef, Ulrich Z., der unmittelbar nach seiner Pensionierung mit verschiedenen Projekten beauftragt wurde. Der vereinbarte Tagessatz: zunächst 850, später 700 Euro. Allein bis Mai 2007 verdiente der viel beschäftigte Rentner auf diese Weise läppische 260.000 Euro. Plus Umsatzsteuer. "Dafür", sagt ein Unicef-Mitarbeiter, "hätte man mehrere Leute fest anstellen können."



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