Natürlich hätte Timo Bracht den am Sonntag zum zweiten Mal ausgetragenen Frankfurter City-Triathlon gerne gewonnen. Doch der klare Favorit, der sich derzeit in der heißen Vorbereitungsphase auf die Ironman-Weltmeisterschaft in Hawaii befindet, kam über eine Variante der Olympischen Distanz, bestehend aus 1,5 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee, 45 (statt 40) Kilometer Radfahren bis nach Frankfurt und in der Innenstadt sowie zehn Kilometer Laufen auf der Zeil, in 2:02,38 Stunden als Zweiter ins Ziel an der Hauptwache. Den Vortritt musste der 36 Jahre alte Profi dem 50 Sekunden schnelleren und fast zehn Jahre jüngeren Johann Ackermann (Köln) überlassen. „Es war für mich total super, gegen Timo zu starten, und ich bin überrascht, dass ich gewonnen habe“, zollte der in Darmstadt aufgewachsene Ex-Schwimmer seinem großen Kontrahenten Respekt.
Nach der Radstrecke auf dem zweiten Platz liegend, kämpfte sich Ackermann trotz Seitenstechens nach vorne und sieht der im September bevorstehenden deutschen Langdistanz-Meisterschaft in seiner rheinischen Wahlheimat nun zuversichtlich entgegen. Doch während es dem 27-jährigen Semiprofi bei seinem Saisonhöhepunkt lediglich darum gehen wird, „so gut wie möglich durchzukommen“, verfolgt Bracht deutlich ehrgeizigere Ziele.
Der zweimalige Ironman-Sieger von Frankfurt will es auf Hawaii, im Mekka des Ausdauersports, endlich aufs Podium schaffen. Das wird auch Zeit, denn länger als drei bis vier Jahre gibt er sich auf dem Hochleistungsniveau nicht mehr. Um noch schneller zu werden, muss Bracht nach eigenen Angaben seinen Trainingsumfang jährlich um zehn Prozent steigern. Bei einer glatten 40-Stunden-Woche sei er nun angelangt. „Ich muss extrem hart im Nehmen sein und immer positiv denken. Sonst hältst du die Quälerei doch nicht aus.“
Fokussiert wie noch nie hastet er von Wettkampf zu Wettkampf, auch der City-Triathlon war ein reines Tempotraining für ihn. Enttäuschung über den zweiten Platz empfindet der zweifache Familienvater vor diesem Hintergrund nicht. Und dann klingt es fast schon prosaisch, wenn er sich selbst als „verlorenen Läufer zwischen Häuserschluchten“ beschreibt, als einsamen Wolf in der verregneten Großstadt. Noch am selben Abend hielt der Eberbacher ein weiteres Schwimmtraining aus, ehe er nun ein einwöchiges Trainingslager in Griesheim bei Trainer Ralf Ebli absolvieren wird. Auch an selbstberauschendem Pathos mangelt es dieser Tage nicht – zumal wenn Bracht an den Showdown in Kona am 8. Oktober denkt: „Ich muss immer das Gefühl haben, dass große Träume wahr werden können.“
Natascha Schmitt siegt
Weniger hochtrabend gab sich Natascha Schmitt (Eintracht Frankfurt/2:16,39 Stunden), die bei den Frauen das Rennen machte. „Da ich hier wohne, ist es umso schöner, ganz oben zu stehen“, sagte die 25 Jahre alte Sportstudentin, deren Ziel es ist, nächsten Sonntag beim Halbdistanz-Ironman 70.3 in Wiesbaden unter den Top Ten einzukommen.
Cheforganisatorin Annette Gasper, die früh um fünf Uhr vom Regen schockiert war, freute sich über 1500 Teilnehmer und einen reibungslosen Ablauf. „Wir sind sehr zufrieden“, betonte die Ausrichterin, die den Rennstart nicht nur wegen der mangelnden Zuschauer künftig gerne auf eine noch spätere Zeit als acht Uhr verschieben würde. Pünktlich zur Zielankunft der Topläufer bimmelten nämlich die Glocken der St. Katharinenkirche. „Wir kollidieren mit dem Gottesdienst, aber wir haben uns mit der Gemeinde bisher problemlos verständigt.“