kalaydo.de Anzeigen

Marathon: Frankfurter Fabelrekord

Wie erwartet dominieren die Läufer und Läuferinnen aus Kenia. Der Kenianer Wilson Kipsang rennt bei seinem zweiten Marathon in neue Dimensionen – und läuft die achtschnellste Zeit der Welt.

Großer Sieg: Wilson Kipsang bei der Ankunft in der Frankfurter Festhalle.
Großer Sieg: Wilson Kipsang bei der Ankunft in der Frankfurter Festhalle.
Foto: dapd

Gerard van der Veen gibt gerne zu, dass er vor einigen Jahren sich nicht habe vorstellen können, hauptberuflich mit der Thematik Marathon konfrontiert zu werden. Der Niederländer verdingte sich einst in seinem Heimatstädtchen Voorthuizen als Manager einer Immobilienfirma, und im Sport interessierte ihn nur der Fußball wirklich. Heute ist der 47-Jährige als Inhaber der Agentur Volare Sports im Marathon einer der wichtigsten Strippenzieher und vermittelt kenianische Topathleten.

Nirgendwo sonst hat van der Veen indes so viel Geschick bewiesen wie in Frankfurt, wo seit sechs Jahren mit nur einer Ausnahme der Sieger stets von ihm entsandt wurde. Der allergrößte Wurf ist ihm aber erst jetzt geglückt: Der seit drei Jahren bei ihm unter Vertrag stehende Zögling Wilson Kipsang stürmte am Sonntag nach unglaublichen 2:04:57 Stunden unter ohrenbetäubendem Getöse in die Festhalle und fiel erst seinem Manager, dann Renndirektor Jo Schindler in die Arme. Der 28-Jährige rannte die weltweit drittbeste Marathon-Zeit des Jahres und die achtbeste Zeit, die jemals ein Mensch auf der klassischen Strecke schaffte. „Es ist für mich unvorstellbar, dass so eine Zeit hier gelaufen wird“, stammelte Schindler, „das ist jenseits jeder Vorstellung.“

Rückblick: Frankfurt-Marathon 2010

Bildergalerie ( 107 Bilder )

Die Fabelzeit stellte alles in den Schatten, was bislang in der 29-jährigen Geschichte des ältesten deutschen Stadtmarathons zu sehen war. Der Streckenrekord bringt dem dreifachen Vater die Rekordgage von 95000 Euro ein. Lohn dafür, dass der kenianische Triumphator seinen äthiopischen Rivalen Tadese Tola an dessen 23. Geburtstag im Finale fast mühelos abhängte. „Ich war sehr gut vorbereitet auf dieses Rennen, meine Konkurrenten sahen am Ende nicht mehr gut aus“, sagte der Sieger später mit einem breiten Lächeln; die Anstrengung war ihm da schon kaum mehr anzusehen.

Keine detaillierten Pläne

Erst seit 2007 trainiere er professionell, derzeit meist in einer bärenstarken Gruppe mit Landsmann Patrick Makau, dem Weltjahresbesten. Detaillierte Trainingspläne befolgt er noch nicht, auch wenn van der Veen mehrfach in der Woche mit ihm kommuniziert, „da gebe ich aber nur allgemeine Empfehlungen“. Van der Veen weiter: „Wilson Kipsang ist nicht nur schnell, sondern auch sehr intelligent, fokussiert und diszipliniert.“ Und er besitze die Gabe, sich auf dieses eine Ziel zu konzentrieren – im Sinne des Sports ist zu hoffen, dass dies das ursächliche Erfolgsgeheimnis ist.

Der neue Frankfurt-Sieger ist ein vielversprechendes Produkt aus dem ostafrikanischen Läufer-Eldorado; einer, der schon mit seinem diesjährigen Marathon-Debüt in Paris (2:07:10) verblüffte. Er stammt aus dem Keiyo-District, nahe der Stadt Iten. Die Region um den noch bekannteren Ort Eldoret spuckt immer neue Athleten aus, die dem Rest der Welt davonrennen. Die Bevölkerung versucht mit kleiner Landwirtschaft zu überleben − Laufen ist eine der wenigen Möglichkeiten, aus der Armut zu flüchten. Schon die Kinder laufen kilometerlang, um tagaus, tagein zu weit entfernten Schulen zu gelangen. Wer sich irgendwann bei den unzähligen regionalen (Cross-)Läufen durchsetzt, schließt sich einem der Trainingscamps an, sucht sich einen Manager in Europa und steigert in gewaltigen Trainingsumfängen in der ostafrikanischen Höhenlage seine Leistung.

„Je mehr man arbeitet, desto erfolgreicher wird man“, sagt Kipsang, der in Frankfurt in neue Dimensionen vorstieß: Nur Trainingspartner Makau und Geoffrey Mutai waren am 11. April in Rotterdam schneller. Seine Halbmarathonbestzeit (58:59) deutet ein Potenzial an, das möglicherweise noch gar nicht ausgereizt ist. Klar ist, dass so einer den flotten Frankfurt-Auftritt nur als Startschuss für weitere Taten über 42,195 Kilometer begreift. „Ich traue mir auch zu, den Weltrekord zu brechen“, beschied Kipsang, wohlwissend, dass es eine tief verwurzelte Sehnsucht der kenianischen Laufnation ist, der äthiopischen Lauflegende Haile Gebrselassie die im Jahre 2008 aufgestellte Berlin-Bestmarke (2:03:59) zu entreißen. Vermutlich wird das dann aber nicht mehr in Frankfurt passieren.

Autor:  Frank Hellmann
Datum:  31 | 10 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Wegweiser
Start des Marathon ist die Friedrich-Ebert-Anlage, von wo aus es in zwei Schleifen durch die Innenstadt, dann südlich des Mains entlang bis nach Höchst und über die Mainzer Landstraße zurück geht.

Die 30. Auflage des Frankfurt Marathon geht an den Start. Zur Streckenkarte einfach auf das Bild klicken.

FR-Sportredaktion live

Sport-Ticker @ Twitter
Ergebnisdienst

Von Basketball bis Volleyball: Ergebnisse und Statistiken zu Spielern und Vereinen - bis zur Kreisklasse.

FR Sportblogs

News zum Mitreden: Eintracht Frankfurt, Frankfurt Lions, Deutsche Bank Skyliners und dem FSV Frankfurt.