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Ironman in Wiesbaden: Mit dem Glauben an des Bruders Hilfe

Der Triathlet Michael Raelert gewinnt in Wiesbaden den Ironman 70.3. Die Niederländerin Yvonne van Vlerken ist bei den Frauen vorn.

        

Auf der Halbdistanz derzeit nicht zu schlagen: Michael Raelert.
Auf der Halbdistanz derzeit nicht zu schlagen: Michael Raelert.
Foto: Christian Sahm

Es war zwar nicht so, dass der Sieger der Ironman 70.3 Europameisterschaft am gestrigen Sonntag in Wiesbaden vorher schon festgestanden hätte: Doch Michael Raelert war in der neuen Streckenrekordzeit von 4:03,48 Stunden insofern der logische Erste, als er seit dem Gewinn des Weltmeistertitels über die Halbdistanz vorigen Herbst in Clearwater /Florida jeden Wettkampf für sich entscheiden konnte.

Dass sich der 29 Jahre alte Rostocker nun schon zum fünften Mal in Folge durchsetzte, wobei er diesmal Titelverteidiger Sebastian Kienle (Karlsruhe) um mehr als zwei Minuten abschütteln konnte, mag aber auch mit der familiären Glückssträhne zu tun haben, die er gerade gemeinsam mit seinem Bruder Andreas hat. Anfang Juli hatte selbiger den ebenfalls mit einem Europameistertitel verbundenen Frankfurter Ironman souverän gewonnen. Wobei die Raelerts gar nicht von Glück reden wollen, sondern lieber von einem Fünfjahresplan, der 2012 mit einem Doppelsieg in Frankfurt und auf Hawaii erfüllt werden soll.

Harmonie unter Geschwistern

Angesichts derartiger gemeinsamer Zielsetzungen ist es nicht vermessen, die Frage nach der innerfamiliären Konkurrenzsituation aufkommen zu lassen. „Mein Bruder wird nie ein Konkurrent sein. Wenn wir gemeinsam einkommen, dann laufen wir Hand in Hand über die Ziellinie. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das nie kippen kann“, überbetont Michael Raelert eine Harmonie, die fast zu schön klingt, um wahr zu sein.

Ironman-EM in Wiesbaden

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Dabei muss beachtet werden, dass Michael, der im Wiesbadener Dauerregen seine mentalen und körperlichen Tiefs sehr wohl hatte, nicht nur eloquent ist, sondern auch ein angehender evangelischer Theologe. Zwar hat er sein Examen aus sportlichen Gründen bislang nicht abgelegt. Doch sein Sprachgebrauch, der unterschwellig immer wieder eine dezente Predigernote erkennen lässt, hebt sich vom durchschnittlichen Spitzensportlergerede auffällig ab. Von „gegenseitigem Stützen und Auffangen“, gar von einem brüderlichen „aneinander Anlehnen“ ist da die Rede, wobei Michael Raelert seinen Glauben nicht mit dem Profisportler, der er momentan ist, vermengt wissen will: „Im Rennen spielt der Glaube für mich keine Rolle. Das Ziel und den Weg setze ich mir selbst. Mein Glaube bestätigt mich in meinem Leben an sich.“ Dies allerdings stets und in engster Abstimmung mit Bruder Andreas, der die Trainingspläne schreibt und sein Jugendidol gewesen sei.

Todesfall beim Ironman

Ein Todesfall hat die Ironman 70.3 Europameisterschaft in Wiesbaden überschattet. Ein 55 Jahre alter Staffelschwimmer aus der nahe gelegenen Taunus-Gemeinde Niedernhausen starb mutmaßlich bereits während der Schwimmkonkurrenz im Schiersteiner Hafen an akutem Herz-Kreislaufversagen. Rettungsschwimmer hatten den bewusstlosen Mann nach Angaben der Einsatzleitstelle sofort aus dem Wasser gezogen. Reanimierungsversuche seien aber vor Ort wie auch später im Krankenhaus erfolglos geblieben. (rosa)

Dennoch sei eine gleichwertige Ebene vorhanden und physisch und psychisch eine Ähnlichkeit, die mutmaßlich auf Gengleichheit beruht: „Wir sind authentisch, können gemeinsam gewinnen und gemeinsam verlieren. Die Hälfte meiner Goldmedaille von Wiesbaden gehört ihm.“

Michael Raelert, der ein extrem hagerer Typ ist und von dem deshalb anzunehmen wäre, dass er im Notfall nichts zusetzen kann, lag beim Wechsel zwischen Rad- und Laufstrecke hinter dem am Ende mit mehr als fünf Minuten Rückstand Drittplatzierten Björn Andersson (Schweden) noch leicht zurück. So viel zum Thema mutmaßlich mangelnder Fettreserven.

Bei den Frauen konnte Yvonne van Vlerken (Niederlande) ihren Titel verteidigen und wurde in 4:41,52 Stunden erstmals Europameisterin. Es war ein spannendes Rennen mit diversen Führungswechseln und einer um die Winzigkeit von 23 Sekunden geschlagenen Desireé Ficker (USA). „Auf dem Rad bin ich gefahren wie eine alte Frau. So einen Schiss hatte ich“, kommentierte van Vlerken das nebelige Gewitterszenario unterwegs. Dritte wurde mit einer weiteren Minute Rückstand die Erlangerin Kristin Möller.

Autor:  Margit Rehn
Datum:  15 | 8 | 2010
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