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Times Mager: Trost

Die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt, hat jetzt im Zusammenhang mit der Katastrophe im Japan zu den unterschiedlichsten Reaktionen geführt.

Das Hollywoodstudio Warner Brothers hat Clint Eastwoods jüngsten Film „Hereafter“ in Japan sofort nach dem Erdbeben abgesetzt; man wollte vermutlich nichts falsch machen. Denn „Hereafter“ beginnt mit dem Tsunami von 2004 und zeigt die tödliche Wucht des Wassers. Nach diesem Auftakt aber erzählt der Film des 80-jährigen Eastwood klug und irgendwie auch tröstlich von unserer Sehnsucht, dass nach dem Tod nicht alles vorbei sein möge: Eine französische Fernsehjournalistin wird wiederbelebt, nachdem sie von der Riesenwelle mitgerissen worden war, und sucht von da an nach einem Beweis, dass sie das Jenseits, in dem sie nun halt etwas später erst landen wird, schon gesehen hat. Und ein Junge will via Medium Kontakt aufnehmen zu seinem von einem Auto überfahrenen Zwillingsbruder. Eastwood zeigt in „Hereafter“ auch: Gemeinsamkeit tröstet. So können selbst Séancen-Scharlatane hilfreich sein. Es ist wie mit Placebos, inzwischen weiß man, dass sie wirken.

In den USA steht vielleicht deswegen ein Buch auf Platz 1 der Bestsellerliste, das den Titel trägt: „Den Himmel gibt’s echt: Die erstaunlichen Erlebnisse eines Jungen zwischen Leben und Tod“. Der kleine Colton, Sohn eines Pastors, war, während Ärzte im OP um sein Leben kämpften, im Himmel. So hat er es erzählt, und so haben es seine Eltern aufgeschrieben. Ein Internet-Kommentator freilich mosert, im Buch gebe es nur „ein kleines bisschen Himmel“, und es eigne sich auch nur für bibelfeste Christen. Nach Angaben des kleinen Colton trägt Jesus etwa eine purpurne Schärpe, die in der Bibel erwähnte Farbe der Könige. Auch will er Engel mit Schwertern gesehen haben. Das zeigt jedenfalls, dass der christliche Gott traditionsbewusst ist.

Auf weiteren Bestseller-Rängen stehen Diät-Ratgeber. Doch während die Amerikaner sich um Seele und Körper sorgen, scheint es bei den Japanern, auch in dieser Zeit, mehr um den Kopf zu gehen. Das Übersetzungsprogramm fördert auf .jp-Seiten vielverkaufte Buchtitel zutage, die fast alle mit Weiterbildung zu tun haben. Vielleicht sind die Japaner doch ein besonderes Volk. Oder es ist einfach eine andere Form von Trost, sich ein wenig klüger zu machen angesichts einer ungewissen Zukunft.

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  25 | 3 | 2011
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